“Ich habe erwachsene US-Bürger gehört, erfolgreiche Geschäftsleute, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob das Tontaubenschießen im Freien stattfindet, ob die Crew mit an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Midnight-Buffet eröffnet wird.”
Als David Foster Wallace vor zwei Jahren vor seinen Depressionen kapituliert und sich das Leben nimmt verliert die heutige Literaturwelt einen seiner brilliantesten Autoren. Gnadenlos komisch und zugleich tragisch sind seine Texte, Wallace ist ein höchst genauer Beobachter und Analyst der heutigen Gesellschaft und ein souveräner Stylist, was ihm nicht zuletzt durch seine Krankheit möglich war – kaum jemand horcht so in sich und seine Umwelt hinein, wie jemand, der “in Saturns Schatten” (der Autor Andrew Solomon über die Depression) lebt.
Spätestens mit seinem Werk Unendlicher Spaß, das viele Jahre als unübersetzbar galt, wurde David Foster Wallace auch in Deutschland berühmt, der Übersetzer Ulriuch Blumendahl hat das unmögliche doch geschafft und den Roman in mehr als sechjähriger Arbeit ins Deutsche übertragen. Eine Lesung aus diesem weit über 1000 Seiten starken Werk haben wir hier vor einiger Zeit vorgestellt.
Im Jahre 1995 unternimmt David Foster Wallace im Auftrag einer Zeitschrift eine Kreuzfahrt, er soll seine Eindrücke und Erlebnisse sammeln und anschließend zu Papier bringen. Heraus kommt dabei eine unfassbar bizarre Beschreibung einer hermetischen Systems, nämlich dem eines Kreuzfahrtschiffes. Wallace gelingt es, das reale Geschehen bei einer solchen Reise so zu schildern, dass man es als Leser oder Hörer als das miterleben kann, was es ist: der pure Wahnsinn.
Wer noch nicht das Vergnügen einer Kreuzfahrt hatte wird sich beim Hören immer wieder sagen “Genau so habe ich es mir da vorgestellt”, wird aber dann durch Wallace’ Schilderungen ständig davon überzeugt, dass die Realität noch weit über das hinaus geht, was man sich in seinen bizarrsten Fantasien vorgestellt hat. Das ist gnadenlos komisch, manchmal kaum zu glauben und doch durch die nüchterne, objektiv klingende Sprache des Autors absolut nachvollziehbar. In der Tat kann man davon ausgehen, dass Wallace es nicht nötig gehabt hat, dem geschilderten Universum eigene, erfundene Elemente hinzuzufügen. Wer so genau beobachtet und analysiert wie Wallace findet genug reale Fakten, um aus ihnen eine runde Sache zu machen.
Die jetzt im Hörbuch Verlag erschienene 4 CDs umfassende Kassette Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich wird gesprochen von Dietmar Bär, und einen besseren Sprecher kann man sich wahrlich nicht vorstellen, Genau so muss man sich Wallace’ Stimme und Intonation beim Vortrag dieses Reiseberichtes vorstellen, Bärs Interpretation ist eine kongeniale Ergänzung zum Text. Der Rezensent möchte, ohne Wallace’ sprachliche Kraft schmälern zu wollen, behaupten, dass “Schrecklich amüsant” erst in einer, in dieser gelesenen Fassung zur vollen Kraft aufläuft. Lassen Sie sich also amüsieren von einem brillianten Autor und einem ebenso brillianten Sprecher, die Sie in einen Kosmos mitnehmen, den man sich auch in wildesten Fantasien kaum auszumalen fähig ist. Denn das, was Wallace schildert, ist nicht nur schrecklich amüsant, sondern auch schrecklich authentisch.



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