Sommermusik aus Brasilien und Italien: Rosalia de Souza

Als sie Ende der 90er von Brasilien nach Italien kam, war sie schüchtern, leise und noch unsicher, was ihre Musik-Karriere betrifft. Heute zählt sie zu den besten Brasil-Sängerinnen, die mit ihrer Stilsicherheit und Eleganz nicht nur die Herzen der Latinliebhaber erobert.

Nach mehreren Experimenten mit verschiedenen italienischen Jazzformationen, scheint Rosalia De Souza mit ihrem mittlerweile dritten Album bei ihrem ganz eigenen Stil angelangt zu sein: Eine Mischung aus traditioneller Bossa Nova, modernen Jazzarrangements, Boogaloo und italienischer Canzone. Italien sei das Beste, was ihr passieren konnte, erzählt die charmante Brasilianerin mit der Vorliebe für grossformatige Sonnenbrillen im 50er Jahre-Stil. Denn als sie Ende der 90er dort ankam, um an der renommierten Testaccio-Schule Musikgeschichte, Jazz-Gesang sowie kubanisches Schlagzeug zu studieren, glitt sie mitten hinein in die blühende Retro-Szene der coolen Bossa-Rhythmen und des typischen Easylistening-Sounds der 60er Jahre. Auf diese Weise habe sie nicht nur den reichen Schatz ihrer eigenen Kultur für sich entdeckt (in ihrem Elternhaus in Rio drehten überwiegend Scheiben von den Beatles, Dionne Warwick, Burt Bacharach oder Peppino di Capri auf den Plattentellern), sie lernte auch die grossen Diven der italienischen Canzone lieben und schätzen.

Allen voran Mina und Ornella Vanoni. Und so mischt sie Harmonien der Musica Populär Brasileira mit dem typischen 60er Jahre Bossa Nova-Sound. Verwebt tranceartige afro-brasilianische Trommelrhythmen mit europäischem Jazz und italienischem Easylistening und zollt ihrer Liebe zum italienischen Schlager Tribut – ohne sich dabei zu viel aufzubürden. Elegant schafft sie den Spagat zwischen traditioneller brasilianischer Musik und modernen Jazzarrangements, Boogaloo, Rhythm and Blues und italienischer Canzone.

Faszination und Bezauberung, Sinnlichkeit und Mystik sind nur einige Emotionen, die einem beim Hören des neuen Albums der brasilianischen Sängerin Rosalia De Souza verführen. Dieses Mal hat sich die Brasilianerin den künstlerisch-produktiven Fähigkeiten Luciano Cantones anvertraut, Mitbegründer des Labels Schema Records und bereits Produzent des mehrfach ausgezeichneten Albums “Handful Of Soul” von Mario Biondi:

„Ich denke die Einzigartigkeit des Albums “D’improvviso” kommt ganz besonders in seinem Sound zum Ausdruck. Die italienischen Musiker haben dem Werk durch ihre musikalische Ausführung eine ungewöhnliche Note voller Kontraste verliehen: stilistisch sowohl an Europa gebunden, wie auch mit Brasilien verknüpft, konnte Rosalia dem einzigartigen, pulsierenden Klang ihrer Stimme erstmals mit uneingeschränkter Intensität Ausdruck verleihen. ”

“D’improvviso” beschwört Orte und Sinneseindrücke der brasilianischen Musik der 60er Jahre herauf, deren Repertoir die unterschiedlichsten Facetten der breitgefacherten musikalischen Tradition Brasiliens umfasst. Bossa Nova, Afro, Jazz, Pop. Ein außerordentlich vielfaltiges Album also, hinter dem sich so beachtliche Instrumentalisten wie Fabrizio Bosso, Lorenzo Tucci, Pietro Ciancaglini und Luca Mannutza verbergen. Luca Manutza war auch an den Arrangements des Albums beteiligt.

„Was den künstlerischen Aspekt angeht, hielten sich persönliche und strategische Entscheidungen bei der Entstehung dieses Albums die Waage. Ich habe sehr viel geprobt, aus Angst, den mir als Vorlage dienenden Persönlichkeiten nicht gerecht zu werden: Elis, Nara Leäo, Leny Andrade. Auch die Texte von “Carolina Carol Bella” und “Luiza Manequim” schienen mir alles andere als einfach zu sein. Schließlich ist es mir gelungen ein persönliches und künstlerisches Gleichgewicht zu finden und wie ich glaube, ein gutes Resultat vorzulegen. Im Vergleich zu meinen anderen Alben fühle ich mich “D ‘Improvviso” besonders verbunden. Dies liegt weniger an der Wichtigkeit des Albums, vielmehr an der zeitlichen Nähe seiner Entstehung und daran, dass es natürlich mein Innerstes stärker berührt. Erstmals befindet sich auf einem meiner Alben auch eine Hommage an Italien, und zwar in Form des in italienischer Sprache gesungenen Songs, dem das Album gleichzeitig seinen Titel verdankt. Die spanische Originalversion “De repente”stammt aus der Feder Aldemaro Romeros, einem großartigen Dirigenten, der leider vor kurzem von uns gegangen ist. “so Rosalia.

Die Stücke des neuen Albums von Rosalia De Souza, erzählen von der Liebe zum Leben in all seinen Facetten. Auf der Basis des Jazz wird ein vielseitiges, musikalisches Gewebe gesponnen. “Ondina” erinnert beispielsweise an die großartigen Stücke Tom Jobims, ein Meister des sambadurchwirkten Jazz. Bei aller Vielseitigkeit wird jedoch mit der Musikalität von “Brasil Precisa Balancar” nicht gebrochen. Derselbe traditionelle Sound ist in den vier bisher unveröffentlichten Titeln “Samba Longe”, “Dias De Carnaval”, “Bossa 50″ und “Amanha” zu hören, die aus der Feder Tocos stammen. Um den Boogaloo, den im Amerika der 60er Jahre bekanntesten Latinsound, spinnen sich die Stücke “Carolina Carol Bela”, die erste explosive Single des Albums, deren Erfolg Jörge Ben zu verdanken ist, und “Luiza Manequim”, das uns eine interessante Rhythm’n'Blues-Vision des Samba bietet.

(c) Cifarelli

(c) Cifarelli

Eindeutig Afro-Jazz beeinflusst sind hingegen “Amanha”, ein weiteres Stück Tocos, “Banzo”, von den Brüdern Marcos und Paulo Sergio Valle, sowie “Candomble”, von Antonio Paulo, Danilo Caymmi und Edmundo Souto. Den brasilianischen Bands der 60er Jahre, die im Trio oder Quartett auftraten und einen akustischen aber sehr energetischen Sound zum Ausdruck brachten, wie das Tamba Trio oder die Bossa Tres ist der Titel “Sambinha” gewidmet. “O Cantador” von Dorival Caymmi und Nelson Motta beweist hingegen die von De Souza erlangte technische Reife:

“Die Stücke meiner Alben erzählen wie gewöhnlich von 3er Liebe, schönen Frauen und dem alltäglichen Leben. Die gesamte südamerikanische Musik wird nie aufhören, sich dem unerschöpflichen Repertoire der Gefühle zu- bedienen. Noch nicht einmal in einem Protestlied wie “Opiniäo” findet sich ein Hauch von Aggressivität. In den Stücken von Tomas Di Cunto ist hingegen klar die Suche nach einem bohemischen Flair zu erkennen. Am Interessantesten ist meiner Meinung nach jedoch der italienische Wesenszug, der dem Album zugrunde liegt. Es hat auf sprachlicher Ebene stets Gemeinsamkeiten zwischen der italienischen und brasilianischen Musik der 60er Jahre gegegeben. Thematisiert wird beispielsweise die Suche nach dem Glück in Verbindung mit Sehnsucht, die wir in Brasilien ‘saudade’ nennen, oder die Schönheit des Lebens -auch in schwierigen Momenten- ein Aspekt der Boheme, der in den Filmen der damaligen Zeit so häufig aufgegriffen wurde. Und das nicht nur in Italien, sondern weltweit.”

Das Album “D’Improvviso”, das Schema Records in Italien bereits 2009 veröffentlicht hat, erscheint nun endlich diesen Juli auch hierzulande und bestätigt einmal mehr Rosalia De Souza als beste Sängerin und Interpretin brasilianischer Musik, die Italien momentan zu bieten hat.

Rosalia De Souza – Maria Moita

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