Nicht nur in München.

Nein, auch in Rio steht ein Hofbräuhaus. Und so heißt denn auch das soeben erschienene Hörbuch von Wigald Boning, das er nach seinem gleichnamigen Buch eingelesen hat. Boning liebt es zu reisen, auch wenn viele dieser Tripps einen beruflichen Hintergrund haben. Er ist ein aufmerksamer Beobachter, dem Details nicht so leicht entgehen, und gerade in diesen Details findet er häufig Indizien für kulturelle Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten, denn vieles ist in Alaska, Brasilien oder Gambia gar nicht so anders als man glauben könnte. Grundlage für seine jetzt erschienenen Reisebeschreibungen sind E-Mails, die er von unterwegs verschickte, um seine frisch gewonnenen Eindrücke sozusagen noch warm weiterzugeben.

Wer Wigald Boning kennt weiß, dass er sehr komisch und zugleich auch sehr trocken sein kann – was sich keineswegs ausschließt sondern trefflich ergänzt, denn gerade in der Lakonie des Erzählens zeigt sich die Komik vieler Erlebnisse und Begebenheiten.

Wigald Bonings Stimme ist – nun ja, Wigald Bonings Stimme. Man würde ihn wohl nicht den Herrn der Ringe einlesen lassen, aber für seine persönlichen Reiseerlebnisse kann es keinen anderen Interpreten geben, sie gehört nun einmal zu ihm und passt perfekt. Denn beim Hören hat jeder, der ihn aus dem Fernsehen kennt, immer sofort sein Bild vor Augen und eben auch seine Stimme im Ohr. Die gehören zusammen wie, nun ja, Rio und ein Hofbräuhaus.

Unterhaltsam und zugleich informativ – besseres lässt sich über Reiseliteratur nicht sagen. Und beides trifft im vollen Maße auf Wigald Bonings Berichte über seine Reisen auf fast alle Kontinente zu. Man fühlt sich glänzend unterhalten und amüsiert, und was man dabei auch noch über so manchen fremden Brauch auf unserem Planeten lernen kann geht weit über Allgemeinwissen heraus. Das Ganze (selbst)ironisch erzählt, somit also mit einem nötigen Abstand, was das Hörvergnügen wunderbar abrundet. Daher unsere Empfehlung: folgen Sie dem Autor rund um den Globus, Sie werden es genießen wie ein Bier in Rio oder Menschenschnaps in Alaska!

awb

Früher war ich ein Shetlandpony.

Foto: Wigald Boning

Foto: Wigald Boning

Wigald Boning, eine Reise ans Ziel Ihrer Wahl oder nochmal eine Folge RTL Samstag Nacht drehen können – was würden Sie wählen?

Auf jeden Fall eine Reise. SN heute – das käme mir eher mühsam vor.

Welches wäre denn so ein Ziel Ihrer Wahl?

Konzerte gucken in Dakar. Oder selber Strassenmusik machen, in Tokio. Madagaskar, Indien, Buenos Aires. Oder ersatzweise Spreewald.

Woher rührt Ihr Reisefieber?

Vielleicht gibt es ein Nomaden-Gen? Oder blanke Neugier. Ich meine beides zu haben.

Jemand hat einmal gesagt: “Das ganze Unglück der Welt rührt daher, dass die Leute nicht still zuhause sitzen bleiben können” – was entgegnet da ein passionierter Reisender?

Ich korrigiere: Das Unglück hängt mit Gier und Expansionsdrang zusammen, der sich aber nicht notwendigerweise in Fernreisen ausdrücken muss.

Würden Sie eigentlich auch in Damenwäsche, Staubsaugern oder Versicherungen reisen? Oder muss Reisen Freizeitcharakter haben?

Meine Fernreisen sind eigentlich immer beruflich bedingt. Wenn ich frei habe, bevorzuge ich Radtouren. Hierbei lege ich zwar manchmal auch einige hundert km zurück, die Exotik des Zieles ist aber eher nachrangig. Ein Leben als Damenwäsche- oder Staubsaugervertreter wäre gewiss auch interessant, allerdings würde die Fahrerei im Kombi sicher schnell lästig werden.

Wo sind Sie denn lieber – wo es kalt ist oder wo es warm ist?

Im vorigen Leben war ich Shetlandpony – somit sind mir kühle Temperaturen eigentlich lieber. Aber zur Not gehe ich überall hin.

Ihr Buch und Hörbuch basiert auf E-Mails, die Sie von unterwegs geschrieben haben – sind Sie ein disziplinierter E-Mail Schreiber, achten Sie also auf Stil und Grammatik?

Mein stilistischer Ehrgeiz ist etwas tagesformabhängig. Bisweilen schlunze auch ich bei der Mailschreiberei – aber gerade gehetzte Nachlässigkeit kann bei einer Reisebeschreibung viel über Land, Leute und Aufenthaltsumstände verraten.

Wie ist es, einen eigenen Text für ein Hörbuch zu lesen – denkt man dann ständig “Das hätte ich besser so und so schreiben sollen”? Also wäre es vielleicht einfacher, einen fremden Text zu lesen?

Eher nicht. Ich schleife meine Texte solange, bis sie auch einem Tag im Hörbuchstudio standhalten, ohne dass ich mich allzu sehr ärgern muss.

Warum sollten sich Hörer für Ihre Reiseerlebnisse interessieren? Sie haben zehn Sekunden für eine Antwort…

Die Neugier auf andere Weltengegenden ist universell. Ich glaube, dass es niemanden gibt, der sich für meine Reiseerlebnisse nicht interessiert. Nun ja.

Zuletzt nochmal zur Anfangsfrage zurück – vor einigen Wochen sprach ich für das Herrenzimmer mit Jacky Dreksler, der ja zusammen mit Hugo Egon Balder der Produzent von RTL Samstag Nacht war; natürlich hat er sich in den höchsten Tönen gelobt – mal ganz unter uns, wie ist er wirklich so?

Jacky hat grundsätzlich mit allem, was er sagt, Recht. Ausserdem ist er ein grossartiger Schachspieler – Wir haben sicher 150 Partien gegeneinander gespielt, und ich habe nur ein einziges Mal gewonnen. Und dieser Sieg gelang mir auch nur, weil er sehr vergrippt war.

Wigald, schönen Dank für die Antworten, und allzeit gute Fahrt, wohin und warum auch immer!

Die Fragen stellte awb

 
 
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