Curry D’Agneau im la Coupole

1927 wurde am Pariser Boulevard Montparnasse die Brasserie La Coupole eröffnet. Dort, wo bis dahin ein Holz- und Kohlendepot war, schufen René Lafon und Ernest Fraux – denen auch das unmittelbar daneben liegende Café Dôme gehörte – einen Treffpunkt von mehr als 1000 qm Fläche für Tout le Monde – für alle Welt.

Das Montparnasseviertel war ab etwa der Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert ein Zentrum des Pariser Kunstlebens geworden. Hier lebten Picasso und Giacometti, hier sangen Edith Piaf und Georges Brassens. An der American Bar gaben sich Hemingway und Joseph Kessel die Kante. Gleich neben dem Coupole wohnte Eugene Ionesco. Und im Tanzsaal im Untergeschoss schwoften Joséphine Baker, Carlos Gardel, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, der, wenn er gerade einmal nicht philosophierte, gerne auch mal das Tanzbein schwang.

Heute ist La Coupole Teil der Flo Gruppe, die vom Pariser Großgastronom Jean-Paul Bucher geführt wird und zu der zahlreiche traditionelle Restaurants wie die Brasserie Flo, Julien, Bofinger, Terminus Nord und die Brasserie Balzar gehören.

Das Interieur des La Coupole – das seinen Namen von der großen Kuppel in der Mitte der Decke hat – wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer wieder verändert und erneuert, und Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde sogar ein großer Bürokomplex über dem bis dahin niedrigen Gebäude errichtet, aber einiges ist immer gleich geblieben, so der Art Deco Charakter des gesamten Raumes, der Mosaikfußboden und die 24 Säulen, die seit der Blütezeit des Montparnasse von insgesamt 33 Bildern großer Maler geziert werden. Eine Fotodauerausstellung im Inneren der Brasserie zeigt das bewegte Leben, das sich dort einst abgespielt hat.

So wie sich das Interieur über die Jahrzehnte verändert hat, so auch die Karte des Restaurants. Aber nicht alles. Die mächtigen Meeresfrüchteplatten hat es vor 80 Jahren schon ebenso gegeben wie das am Tisch vor dem Gast zubereitete Steack Tartar. Aber ein Gericht gehört zum La Coupole wie kein zweites: das legendäre Curry D’agneau (Lammcurry), das bereits bei der Eröffnung 1927 angeboten wurde und sich über alle Jahre und alle Geschmacksveränderungen hinweg großer Beliebtheit bei den Gästen erfreute und bis heute erfreut.

Das Rezept des Curry D’agneau wurde nie verändert, dafür aber auch wie ein großes Geheimnis gehütet. Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Gericht von speziellen Kellnern serviert, die wie Inder gekleidet waren. Das ist zwar heute nicht mehr der Fall, aber es schmeckt auch so einfach himmlisch.

Wir sind dem Geheimnis des Curry D’agneau auf die Spur gekommen, und wollen es, nach reiflicher Überlegung, hier und heute verraten. Denn auch wer nicht nach Paris reisen kann sollte in den Genuss dieses außergewöhnlichen Genusses gelangen. Vielleicht, es wäre zu wünschen, macht das Nachkochen ja auch erst recht Lust darauf, es sich anschließend einmal vor Ort servieren zu lassen, umgeben von einigen hundert weiteren schmausenden und trinkenden Genießern. Ein Freitag oder Samstag Abend ist dafür der geeignete Zeitpunkt. Nur vergessen Sie nicht vor lauter Umherschauen das Essen. Curry D’agneau muss heiß gegessen werden…

DAS CURRY D’AGNEAU AUS DEM LA COUPOLE
REZEPT VON 1927

Zutaten (für 10 Personen)

3,5 kg Lammkeule oder -schulter
10 cl Sonnenblumenöl
3 Golden Delicious Äpfel
1 Banane
3 Teelöffel Currypulver
1 Teelöffel süßes Paprikapulver
30 gr. Kokosraspeln
3 gehackte Knoblauchzehen
250 gr. gewürfelte Zwiebeln
1/2 Esslöffel grobes Meersalz
20 gr Mehl
50 cl Lammfond
200 gr Tomaten
50 gr. Petersilie
500 gr Basmatireis
50 gr. Butter
1 Bouquet Garni
Mango Chutney, Piment, Frucht- und Gemüserelish

DIE ZUBEREITUNG

Braten Sie das Fleisch etwa 5 Minuten lang leicht an, geben sie einen geteilten Apfel und eine geteilte Banane dazu. Anschließend die gehackte Zwiebel und den Knoblauch.

Weitere fünf Minuten kochen, dann das Curry Pulver, das Paprikapulver und die Kokosraspeln dazu geben.

Gut umrühren und das Mehl darüber streuen. Mit Wasser oder Lammfond bedecken.

Das Bouquet Garni und das Salz hinzugeben und auf kleiner Flamme etwa eine bis anderthalb Stunden simmern lassen (bis das Fleisch fast gar gekocht ist).

Das Fleisch aus der Flüssigkeit nehmen und die Soße pürieren. Dann das Fleisch wieder hinein geben und weiter 30 Minuten sanft simmern lassen.

Als Begleitung den Reis mit in Butter gedünstetem Apfel, geschnittenen Tomaten und der Petersilie servieren. Dazu reicht man in kleinen Schüsseln  Mango Chutney, Piment und Relish.

La Coupole

102, bd du Montparnasse
75014 Paris
Tél. +33(0)1 43 20 14 20
www.lacoupoleparis.com
Métro: Vavin
Parken: 118, bd du Montparnasse

Restaurant geöffnet: täglich
von 12 Uhr bis 1 Uhr von Sonntag bis Donnerstag Abend, Freitag und Samstag bis 1.30 Uhr.
Frühstück täglich von 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr

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