Es mag ja sein, dass es der deutschen Seele entgegen kommt, wenn ein Kommissar übel gelaunt ist, von Magengeschwüren, Plattfüßen, einem inkontinenten Hund, einer drogensüchtigen Tochter und einer quängeligen Ex malträtiert wird und dennoch seine Pflicht erfüllt und trotz Schnee und Eis und eingefrorenem Automotor dem Bösen auf der Spur bleibt, selbst wenn er Abend für Abend mit dem Gedanken “Morgen werde ich wieder scheitern” einschläft. Die Erfolge der seit einigen Jahren in Mode gekommenen skandinavischen Krimis dürften sich so erklären lassen.
Dabei kann die Welt des Verbrechens auch so viel heller, freundlicher und sinnlicher sein. So wie in den Kommissar Bruno Geschichten des Engländers Martin Walker. Die spielen im Périgord, einer Gegend, in der es neben gelassenen Menschen vor allem eines gibt: gutes Essen und Trinken. Dass es dort auch zu mehr oder weniger ernsten Konflikten mit dem Gesetz gegeben kann – wen wunderts? Das Böse ist immer und überall.
Fall Zwei des Polizeichefs Bruno führt den Leser – und in unserem Fall den Zuhörer, denn die Erzählung Grand Cru liegt soeben als Diogenes Hörbuch vor – wieder in den beschaulichen Ort Saint-Denis, wo Bruno sein ebenfalls recht beschauliches Leben führt. Ein kalifornischer Weinunternehmer, der um die Vorzüge der Gegend weiß, hat große Pläne: er will das ganze Tal aufkaufen und dort einen Spitzenwein kultivieren. Das würde Ruhm und Ehre für den Ort und die Menschen bedeuten und gewiss auch einen schönen Batzen Geld, aber zugleich wäre es vorbei mit der Idylle des Landes. Während sich die Kommunalpolitiker, den Geruch des großen Geldes in der Nase, vor Begeisterung überschlagen stehen die Winzer dem Projekt ablehnend bis feindlich gegenüber. Fronten entstehen quer durch alte Freundschaften, mit der Ruhe und Gelassenheit ist es vorbei. Zudem auch noch Naturschützer auf den Plan treten, als heraus kommt, dass gentechnisch veränderte Rebsorten zum Einsatz gebracht werden sollen. Es dauert nicht lange, dann ist der erste Tote zur Stelle, stilsicher in einem Weinfass. Das in einem Pulverfass steht, nämlich dort, wo Polizeichef Bruno nun ermitteln muss…
Eine sinnliche, mit viel Humor und Landeskenntnissen – der Autor Walker lebt, wie viele Engländer, im Périgord – erzählte Geschichte, die mehr als einfach nur ein Krimi ist. Sie handelt auch vom guten Leben, von Käse und Wein und Traditionen und Konflikten mit der Zeit von heute. Auch Bruno hat seine Plagen am Hals (er ist unglücklich verliebt) und lernt im Laufe der Ermittlungen einiges über die Menschen und das Leben hinzu. Aber immer mit Geist, Gernuss und Gelassenheit.
Gelesen hat die ungekürzte Fassung von Grand Cru der Schauspieler und Sprecher Johannes Steck, der bereits zahlreiche Hörbücher interpretiert hat und mit seiner angenehmen und wandlungsreichen Stimme der Geschichte das Leben einhaucht, das ein gutes Hörbuch ausmacht, so dass man durchaus alle 8 CDs in einem Rutsch hören möchte. Und wenn man beim Hören die Augen schließt dann glaubt man vielleicht sogar ab und an die sinnlichen Gerüche des Périgord wahrzunehmen.
awb



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