Der Baron mit der Mundharmonika

    Das Toots Thielemans Quartett (Foto awb)

Das Toots Thielemans Quartett (Foto awb)

Jean Toots Thielemans ist ohne Zweifel ein Urgestein in der Welt des Jazz. Inzwischen ist der in Belgiens Hauptstadt Brüssel geborene Musiker 88 Jahre alt, und noch immer tourt er unaufhörlich durch die ganze Welt, so durch die USA, in denen er enorm populär ist und im letzten Winter durch Südafrika.

In seinem Heimatland Belgien ist Toots ein nationales Heiligtum, und vom König wurde er zum Baron ernannt. Man kennt ihn vor allem als virtousen Mundharmonikaspieler, seine professionelle Karriere als Jazzer begann er in den 1940er Jahren als Gitarrist in der Tradition des ebenfalls aus Belgien stammenden Django Reinhardt. Mit jedem Großen des Jazz hat er seitdem in 6 Jahrzehnten gespielt. Er wurde 2004 für sein Lebenswerk mit der German Jazz Trophy geehrt, und im Jahr 2009 erhielt er mit der NEA Jazz Masters Fellowship die höchste Auszeichnung für Jazzmusiker in den USA.

Hans Van Oosterhout (Foto awb)

Hans Van Oosterhout (Foto awb)

Seit Jahren hat Toots Thielemans mit Karel Boehlee, p, Hein Van de Geyn, b, und Hans Van Oosterhout, dr, ein festes Quartett, und auch in diesem Jahr 2010 haben die Vier zahlreiche Konzerte absolviert, bei denen die Zuschauer sehen und hören konnten, wie fit Toots auch im hohen Alter noch immer ist. Sicher sieht man seinen Bewegungen das Alter an, aber sobald er auf der Bühne Platz genommen hatte und zur Mundharmonika griff war da der geniale Virtuose zu hören, als der er rund um den Globus bekannt ist. Doch Konzerte in dieser Besetzung wird es nicht mehr geben. Bassist Hein Van de Geyn hat das unstete Leben des geschätzten Begleiters (so war er 1986 bei dem triumphalen Konzert von Chet Baker in Tokio dabei) an den Nagel gehängt. “30 Jahre sind genug” sagte er mir im Juli diesen Jahres am Rande des Jazzfestivals im belgischen Comblain-la-Tour. Mit seiner Familie zieht Hein nach Südafrika, wo er vor acht Jahren ein Haus kaufte. Eine Ferienpension wollen sie führen. Am 22. September 2010 kann man das Quartett noch einmal gemeinsam hören, im Amsterdamer Bimshuis ab 20.30 Uhr.

Neben seinen Aktivitäten als Musiker und Dozent ist Hein Van de Geyn auch Chef des Labels Challenge Records, und auf diesem ist soeben eine wunderbare CD mit Liveaufnahmen des Toots Thielemans Quartetts erschienen. Die Mitschnitte stammen aus den Jahren 2006 bis 2008 und bieten Stücke, die die ganze Kunst des Toots Thielemans hörbar machen. Standards wie I love You Porgy, Summertime, Round Midnight oder On Green Dolphin Street, einen Bossa Nova, der daran erinnert, dass Thielemans zwei Alben mit der Crème de la Crème der brasilianischen Musik in Rio aufnahm und natürlich seine Komposition Bluesette, die eines der bekanntesten Jazzstücke aller Zeiten ist. Insgesamt 12 Stücke umfasst die CD. Souverän begleitet die Rhythmusgruppe Thielemans Mundharmonika, man hört, dass diese Vier sich durch und durch kennen und genau wissen, wie sie den Konzertzuhörern einen unvergesslichen Abend bereiten können – und nun durch diese CD auch den vielen weltweiten Fans. Eine Platte zum entspannten Hören, mit Stücken, die man vielleicht schon oft von verschiedenen Interpreten gehört hat aber denen Toots Thielemans seine ganz persönlichen, unverwechselbaren Noten verleiht.

1.       I Loves You Porgy

2.      Summertime

3.      Começar De Novo

4.      The Days Of Wine And Roses

5.      Circle of Smile

6.      ‘Round Midnight

7.      Les Feuilles Mortes

8.      Theme from Midnight Cowboy

9.      On Green Dolphin Street

10.     Ne Me Quitte Pas

11.     Bluesette

12.     For My Lady

“Toots Thielemans – European Quartet Live”
Challenge Jazz
CHR 70160
1CD
Jewelcase
PC: PT
0608917016024

Hein Van de Geyn, Toots Thielemans (Foto awb)

Hein Van de Geyn, Toots Thielemans (Foto awb)

“Zweifellos ist Toots einer unserer grössten Musiker. Mit seinem Instrument gehört er zum Besten das der Jazz je produziert hat. Er berührt unser Herz und macht uns weinen. Wir haben so oft zusammen gearbeitet, dass ich die Zahl vergessen habe, aber immer wieder zieht er mich zur neuen Zusammenarbeit an ….”
Aus Quincy Jones’ Liner Notes
Q’s Jook Joint, 1995

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