Bewegte Geschichte


In der Folge der Unterwerfung Galliens während des gallischen Kriegs durch Gaius Iulius Caesar gelangte der Weinbau mit den römischen Legionen über das Rhône-Tal bis an die Mosel und an den Rhein. Das ist 2000 Jahre her. Viele der heute noch bekannten Weinlagen gehen auf Klostergründungen im Mittelalter zurück. Doch nicht von dieser Zeit erzählt der Band Im Zeichen des Traubenadlers, der nun erschienen ist. Es beginnt um die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Und erzählt nicht nur vom fröhlichen Weinberg.

Riesling aus Deutschland genoss vor hundert Jahren weltweit höchstes Ansehen: Die Versteigerungen waren Ereignisse von internationalem Rang, der Weinhandel zahlte Höchstpreise und auf den Weinkarten der berühmtesten Hotels und Clubs sowie der größten Linienschiffe konkurrierten die »Creszenzen« aus Deutschland mit den begehrtesten Weinen Frankreichs.

Andere Länder, allen voran Frankreich, gerieten später als renommierte Weinproduzenten in den Vordergrund. Doch heute ist deutscher Wein wieder so angesehen wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und viele Weine erzielen Spitzenpreise und uneingeschränkte Anerkennung bei Kritikern und Konsumenten. Dies kam nicht von ungefähr und hat eine Geschichte, die im Buch des FAZ Redakteurs Daniel Deckers kenntnisreich und detailliert erzählt wird. Es ist die Geschichte des »Verbands deutscher Prädikatsweingüter« (VDP), und sie ist überaus bewegt: Sie handelt von Wein und Krieg, von »Blut und Boden« und jüdischen Weinhändlern, Wiederaufbau und Weingesetzen, vom Auf und Ab großer Namen – und dem unbeirrten Festhalten an dem Ideal großer Weine.

Wer deutsche Weine, allen voran sicherlich der Riesling, schätzt, findet in Deckers Buch eine spannende Lektüre, die dem Leser erzählt, was alles sich in den vergangenen mehr als einhundert Jahren rund um die Weinberge ereignet hat. Weinbaupolitk ging weit über die Urinteressen der Erzeuger und Konsumenten hinaus, so wurde sie zwangsläufig auch zum Machtinstrument nationalsozialistischer Ideologie. Vor allem jüdische Weinhändler sollten ausgeschaltet werden, und so wurden Winzergenossenschaften nicht zuletzt als Organisationen zur “Selbsthilfe” gegründet.

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde zwar weiterhin Wein produziert, aber den weitaus größten Teil beanspruchten die Besatzungsmächte, die alleine im Bezirk Trier pro Monat 260.000 Liter bezogen. Kriegsbedingte Schäden und Zerstörungen in den Feldern, Bergen und Orten erschwerten massiv das Leben von Winzern und Händlern. Es dauerte mehrere Jahre, bis sich der Weinbau, auch durch Schaffung neuer Satzungen, wieder aufrappelte.

Später kam die EU mit ins Spiel, deren Einfluss auf Anbau und Handel bis heute anhält. Auch der Anschluss der DDR an die BRD 1990 hatte weitreichende Folgen für den deutschen Weinbau und -handel, schließlich wurden und werden aus im Osten Deutschlands renommierte Weine produziert. Nicht vergessen werden darf auch der Tiefpunkt im Ansehen des deutrschen Weines Mitte der 1980er Jahre in der Folge des Glykolskandals. Dies alles, vorzüglich illustriert mit alten Fotos, Karten, Plakaten, Etiketten und weiteren Dokumenten, hat der Autor zusammen getragen und damit ein Buch vorgelegt, das einen wichtigen Teil der jüngeren deutschen Geschichte erzählt, auch über das Kernthema VDP hinaus.

awb

Daniel Deckers
Im Zeichen des Traubenadlers

Eine Geschichte des deutschen Weins
224 Seiten; 21 x 23 cm; 71 Farb-, 33 s/w-Abb.; geb. mit Schutzumschlag;
ISBN 978-3-8053-4248-3
EUR 29,90
SFR 43,90

Veranstaltungen rund um das Buch

FAZ Redakteur und Autor von “Im Zeichen des Traubenadlers” Dr. Daniel Deckers führt pointiert und unterhaltsam durch die Geschichte des deutschen Weines, von dessen Qualität Sie sich im Anschluss der Buchvorstellung bei einer kleinen Weinverkostung selbst überzeugen können.

An Orten, die so vielfältig wie die deutsche Weinlandschaft sind, haben Sie die Möglichkeit, einen Einblick in ein spannendes Stück deutscher Kulturgeschichte zu gewinnen. Veranstaltungsorte und -termine:
MAINZ | Samstag, 20. November, 15 Uhr
Rathaus, Raum Erfurt, im Rahmen der Mainzer Büchermesse.
BERLIN | Donnerstag, 25. November, 19 Uhr
Wein & Glas Compagnie, Prinzregentenstraße 2/Am Prager Platz, 10717 Berlin | Wilmersdorf
SCHLOSS PROSCHWITZ, ZADEL | Freitag, 26. November 16 Uhr
Weingut Schloss Proschwitz, im Rahmen der Proschwitzer Weihnacht
DRESDEN | Freitag, 26. November, 19 Uhr
Hotel Hilton, An der Frauenkirche 5

Eine Seite aus: Im Zeichen des Traubenadlers

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