Die Belper Knolle.

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Noch junge Belper Knollen. Foto Peter Glauser

“Kennst du die Belper Knolle?” schrieb mir ein Berliner Freund. Nein, kannte ich nicht. “Dann schick ich dir mal eine.”

Ich war gespannt. Was Freund Serge, ein Gourmet vor dem Herrn, mir vorweg verraten hatte: es war ein Käse, aber mehr wusste ich nicht. Ich hätte googlen können, vergass es aber wieder. Man muss ja auch nicht alles immer schon vorher wissen.

Zwei Wochen später fragte Serge an, ob das Päckchen denn eingetroffen sei, es war nicht. Endlich, nach längerem Warten, Bangen, Zweifeln, Hoffen und Beten traf es ein, was immer DHL auch damit gemacht haben mochte. Also rasch und misstrauisch geöffnet, denn ein Rohmilchkäse, der 11 Tage ungekühlt irgendwo herumgelegen hatte, lebte vielleicht inzwischen mehr, als einem lieb war. In einem kleinen weißen Vliessäckchen lag etwas, das wie ein Trüffel von etwa 50 Gramm aussah, eben eine Knolle. Dunkle körnige Oberfläche, hier und da eine Delle. Und hart wie Stein. Sollte die lange Reise …?

Also Serge gefragt, was man damit mache, und ob es seine Richtigkeit habe, dass man mit dem Ding wahrscheinlich mühelos Panzerglas durchlöchern könnte. “Du brauchst ein sehr scharfes Messer oder noch besser einen Trüffelhobel”, klärte er mich auf. “Mache Pasta, schön gebuttert, und dann die Knolle darüber zerreiben.” Ich machte es, das allzeit scharfe Laguiolemesser tat seine Dienste, und ich staunte, wieviele dünne Scheiben und Splitter man aus der kleinen Knolle gewinnen konnte. Und noch mehr staunte ich, wie das plötzlich aus dem Teller duftete und wie es schließlich schmeckte …

Jede Knolle wird von Hand eingepackt. Foto Peter Glauser

Die Belper Knolle verdankt ihre Existenz einer Unachtsamkeit. Der Schweizer Käsemacher Peter Glauser stellte schon lange Rohmilchkugeln her, die mit Knoblauch gewürzt und dann in Pfeffer gewälzt wurden, was ihnen die dunkle körnige Oberfläche gab. Verkauft wurde dieser Käse streichfrisch. Eines Tages nun entdeckte Glauser in den Tiefen seines Reifekellers einige dieser Käse, die übersehen worden waren und seit unbestimmt langer Zeit da gelegen hatten. Steinhart waren sie geworden und auf die Hälfte der ursprünglichen Größe geschrumpft. Peter Glauser sah sich seinen Fund genauer an, schnitzte etwas davon mit einem Messer ab und probierte. Die Belper Knolle war geboren und wird seither von den Glausers hergestellt und vertrieben. Wenigstens 9 Wochen braucht die Knolle, um hart zu werden und ihren intensiven Geschmack zu erlangen. Zu bekommen ist sie gar nicht so leicht, denn sie wird nur in überschaubarer Menge produziert. Jede Knolle wird liebevoll von Hand in das weiße Vlies gepackt, das mit einem gelben Band zusammengebunden wird.

Will man den Geschmack der Belper Knolle beschreiben denkt man weniger an einen Käse als mehr an ein Gewürz. Die Mischung aus Milch von Simmentaler Kühen, Salz aus dem Himalaya, Knoblauch und frisch gemalenem schwarzen Pfeffer ist ein durch und durch runder Geschmack, der selbst einer simplen Speise wie gekochten Nudeln mit Butter eine wahre Krone aufzusetzen vermag.

Wegen der langen Versandzeit hätte ich mir übrigens keine Sorgen machen müssen: eine Belper Knolle ist mindestens zwei Jahre haltbar.

awb

http://www.belperknolle.ch/

http://www.chaesglauser.ch/

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