Bereits in den zwanziger Jahren war Paris eine der Kulturmetropolen Europas. Zahlreiche (namhafte) Künstler lebten zu dieser Zeit in der Stadt der Liebe und der Kunst. Dies ist auch die Zeit, die den jungen Schriftsteller Gil (Owen Wilson) am meisten fasziniert.
In Woody Allens neuem Film “Midnight in Paris” reist Gil mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) nach Paris. Ein Traum geht für ihn in Erfüllung. Seit seiner Jugend schwärmt Gil von der dortigen Künstlerszene der Zwanzigerjahre. Wenn er nur da mals hätte leben können! Hemingway, Fitzgerald, Gertrude Stein, das sind die Idole des erfolgreichen Hollywood-Drehbuchautoren, der sich sehnlichst wünscht, als ernst zu nehmender Schriftsteller zu reüssieren. Inez hat kein Verständnis für seine Schwärmerei. Eines Abends bricht Gil alleine auf und verirrt sich bei seinem Streifzug durch die Straßen der Stadt der Liebe. Punkt Mitternacht geschieht etwas Wundersames: Gil wird von einer Limousine aufgelesen, die ihn geradewegs in die Roaring Twenties transportiert, zu all den legendären Künstlern, die er immer schon bewundert hat! Mit einem Mal ist nichts mehr so, wie es vorher war…
Doch wer waren die Künstler, die Gil so faszinierten?
Pablo Picasso
Der spanische Künstler soll bis zu seinem Tod im April 1973 etwa 50.000 Werke geschaffen haben, darunter Gemälde, Skizzen und Skulpturen. Nach jährlichen Parisreisen seit 1900, siedelt Picasso 1904 nach Paris über. Hier lernte er 1905 die Geschwister Leo und Gertrude Stein kennen. Letztere portraitierte er. Zwischen 1908 und 1917 wandte er sich von der geltenden Ästhetik ab und begründete gemeinsam mit George Braques den Kubismus. Später wandte er sich immer mehr dem Neoklassizismus und dem Surrealismus zu und war mit seinem Werk “Drei Tänzer” an der ersten surrealistischen Ausstellung in Paris beteiligt. Picasso starb mit 91 Jahren in Frankreich und wurde auf dem Gelände seines Schlosses Vauvenargues beigesetzt. Sein wohl bekanntestes Werk, “Guernica”, wurde 1981 vom Museum of Modern Art in New York an den Prado in Madrid übergeben. Auf Wunsch Picassos durf te das Werk nicht vor Ende der faschistischen Franco-Diktatur in Spanien an sein Heimatland übergeben werden.
Salvador Dalí
lernte Ende der zwanziger Jahre Pablo Picasso in Paris kennen. Als Vertreter des Surrealismus gilt Dalí als einer der bekann testen Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein persönliches Genre fand er in der Darstellung von Träumen und Unbewusstem. Der Surrealismus war für Dalí “eine Revolution des Lebens und der Moral”. Er war Zeit seines Lebens Sympathisant des spanischen Diktators Franco, was vielfach zu Kontroversen in der Auslegung und der Bewertung seiner Person und seiner Werke führte. Dalí galt als Exzentriker, der sich am besten in seiner Kunst ausleben konnte. Er ist der einzige bekannte Künstler, für den es schon zu seinen Lebzeiten zwei Museen gab. Außerdem wurde in Bolivien eine Wüste aufgrund ihrer surreal anmutenden Steinformationen nach ihm benannt.
Gertrude Stein
Die Kunstliebhaberin ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu sammen mit ihrem Bruder in Paris nieder. Zusammen führten sie einen Salon, der mit zeitgenössischer Kunst ausgestattet war. Auf Steins Einladungen hin trafen sich im Salon noch unbekannte Persönlichkeiten der Künstlerszene, wie Pablo Picasso oder Henri Matisse, deren Werke die Geschwister erwarben. Gertrude Stein war eine der ersten Frauen der klassischen literarischen Moderne und inspirierte ihre männlichen Kollegen F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway mit ihrem experimentellen Schreibstil. 1933 er schien ihr erfolgreichstes Werk, “The Autobiography of Alice B. Toklas”, in dem sie über ihre berühmten Freunde schrieb und den Satz “Rose is a rose is a rose is a rose” prägte, der häufig in Abwandlungen zitiert wird.
F. Scott Fitzgerald
verkörperte das Jazz-Age und die Lost Generation, die sich in den zwanziger Jahren in Europa aufhielt und Dank des starken Dollars im preisgünstigen und durch den Krieg ruinierten Frank reich gut leben konnte. Hier lernte er auch um 1925 Ernest Hemingway kennen. Fitzgeralds Romane sind zum größten Teil autobiografisch und seinem Umfeld nachempfunden. Er verwendete sogar Tagebuchzeilen seiner Gattin Zelda in seinen Werken. 1921 kam Fitzgeralds Toch ter zur Welt, mit der Namensgebung hätte er es ohne Weiteres mit heutigen Prominenten aufnehmen können: er wandelte seinen eigenen Namen minimal ab und gab ihr den Namen Frances Scott Fitzgerald.
Ernest Hemingway
Fitzgeralds Freund und Kollege bewegte sich zwischen den beiden Polen der Schriftstellerei und des Journalismus: Er konnte so wohl den Pulitzer-Preis als auch den Literaturnobelpreis (“Der alte Mann und das Meer”) entgegen nehmen. Im Alter von 22 Jahren zog Hemingway nach Paris und arbeitete als Auslandskorrespondent, schrieb aber auch vermehrt fiktionale Texte. Vor allem wegen seiner zweifelhaften Rolle als Kriegsberichterstatter stand er in der öffentlichen Kritik. 2011 jährt sich sein Tod zum fünf zigsten Mal: Er nahm sich 1961, von Depressionen und Alkohol ge zeichnet, das Leben.
Von Ernest Hemingway stammt auch das Zitat: “Bei Tage ist es kinderleicht, die Dinge nüchtern und unsentimental zu sehen. Nachts ist das eine ganz andere Geschichte.” Denn die Nacht ist voll von Magie, vor allem in Paris…
Wer sich von der Zauberhaftigkeit der Seine-Metropole überzeugen möchte, sollte ab 18. August Woody Allens neuestes Werk im Kino anschauen. Es ist der bisher erfolgreichste Film des Kultregis seurs in den USA, wo er bislang 41,8 Mio. US-Dollar eingespielt hat.
“Midnight in Paris” ist eine Liebeserklärung an die Stadt der Liebe und der Kunst. Einmal mehr wird deutlich, was der Zauber der Stadt sein muss, die so viele Künstler zu außergewöhnlichen Werken inspirierte, und auch Gils Leben nachhaltig beeinflusst. Auf seiner Sinnsuche trifft er nicht nur auf seine Idole und eine wunderschöne Fremde, sondern auch auf so manche Lebensweisheit.




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