SEX in Stuttgart

SEX. DAS Thema in der Biologie – und weit darüber hinaus. Die überaus zahlreichen Strategien rund um die schlichte Tatsache, dass zwei Geschlechtszellen verschmelzen und ein neues Lebewesen entsteht, werden in der neuen Sonderausstellung SEX im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart – Schloss Rosenstein aufgefächert, quer durch das ganze Pflanzen- und Tierreich. Über viele Beispiele werden zentrale Themen erschlossen: Warum Sex? Warum zwei Geschlechter? Wo und wie differieren die Interessen von Männchen und Weibchen – und was tun sie, um die eigenen mehr oder weniger subtil durchzusetzen?

Alle Organismen vermehren sich, doch erst mit der Erfindung der geschlechtlichen Fortpflanzung bekam die Evolution eine Dynamik, die sich heute in der ungeheuren Vielfalt des Lebens widerspiegelt. Sex ist der Motor der Evolution, der die Entwicklung des Lebens vorantreibt. Sex ist in unserer heutigen Gesellschaft allgegenwärtig, wird aber für gewöhnlich nur aus einem anthropozentrischen Blickwinkel heraus betrachtet.

Die Ausstellung SEX spannt den Rahmen weiter, vermittelt die Mechanismen der Fortpflanzung aus evolutionsbiologischer Sicht und beleuchtet so überraschend neue Aspekte eines uralten Themas. Eine genauere Beschäftigung mit dem Phänomen Sex macht deutlich, warum in der Natur so viel Energie darauf verwendet wird, einen Partner zu finden und sich fortzupflanzen: Sex ermöglicht zum einen eine Weitergabe der eigenen Gene, zum anderen wird das Gengut neu gemischt – eine essenzielle Voraussetzung, um in einer sich ändernden Umwelt zu bestehen. Die Ausstellung zeigt, mit welcher Raffinesse und unterschiedlichsten Methoden Tiere und Pflanzen dabei vorgehen, möglichst erfolgreich für Nachkommenschaft zu sorgen. Es geht um Evolution, Blümchensex, den Kampf zwischen den Geschlechtern, experimentellen Sex, Jungfernzeugung, Liebe, Fremdgehen, Riesenspermien, Farbenpracht und die vielen Möglichkeiten „Mr. und Mrs. Perfect“ zu finden. Es geht um die zahlreichen Fortpflanzungstrategien im Tier- und Pflanzenreich.

Dabei kann der Besucher in der Ausstellung einem vertrauten Muster folgen: Zuerst muss man sich finden, dann prüfen, dann binden. Und schließlich vielleicht auch eine Familie gründen.

Die Bedornte Schneckenhausbiene sammelt mit ihrer Bauchbürste ausschließlich Pollen von Korbblütlern. Urheber: Hans Schwenniger

Die Bedornte Schneckenhausbiene sammelt mit ihrer Bauchbürste ausschließlich Pollen von Korbblütlern. Urheber: Hans Schwenniger

Verschiedene Module beleuchten  das Thema Sex:

Kontaktbörse: Froschgesang, Farbenpracht, dezente Düfte, Lichtsignale – es gibt viele Möglichkeiten, Liebesanzeigen zu schalten und von Ferne auf sich aufmerksam zu machen.

Das erste Date: Allen Vorurteilen zum Trotz: Das Weibchen wählt das Männchen und nicht umgekehrt. Kommt er ihr näher, muss er sie deshalb zuerst von seinen Qualitäten überzeugen und dabei alle Mitbewerber ausstechen.

Im Separee: Beim Akt sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. In mehreren kleinen Räumen, den Separees, zeigt die Ausstellung das ganze Spektrum von der keuschen Jungfernzeugung bis hin zu sehr experimentellen Formen.
Der Tag danach: Monogamie ist die Ausnahme. Die Konkurrenz um eine erfolgreiche Befruchtung führt nach der Paarung zu einem Krieg der Spermien, den die Männchen trickreich und mit den merkwürdigsten Strategien zu gewinnen suchen.

Familienalltag: Für Liebe, Romantik und Familienglück hat die Natur nicht viel übrig. Waisenkinder sind normal, allein erziehende Eltern häufiger als treu sorgende Paare. Und wie steht es mit dem Fremdgehen?

Warum Sex? Sex ist gesund: Die Neukombination des Erbguts der Eltern macht nicht zuletzt das Immunsystem fit und sorgt für Erfolg im Kampf gegen Viren und Bakterien.

Primatensex: Sind Menschen auch nur Affen? Hilft ein Blick auf andere Menschenaffenarten, um uns selbst besser zu verstehen?

Kino: Die Schauspielerin Isabella Rossellini verkörpert in „Green Porno“ ganz verschiedene Tierarten mit durchaus merkwürdigem Fortpflanzungsverhalten. Alternativ dazu: speziell für diese Ausstellung gedrehte Kurzfilme der Filmakademie Ludwigsburg.

SEX. Ein reizvolles Ausstellungserlebnis ab 27.10.2011 im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart – Schloss Rosenstein.

Öffnungszeiten:
Di bis Fr: 09.00 bis 17.00 Uhr
Sa, So, Feiertag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Mo: geschlossen

Eintrittspreise:
Erwachsene: 5 Euro
Ermäßigt: 3 Euro
Familien: 11 Euro

Führungen:
Führungsthemen für Erwachsene:
„Kontaktbörse“: Führungen für Singles
„Kampf der Geschlechter“: Führungen für Paare
„Ganze Kerle“: Führungen nur für Frauen
„Frauen verstehen“: Führungen nur für Männer

Führungen für Schulklassen:
„Willst Du mit mir gehen?“, Führung für Klasse 5 – 7
„SEX- Motor der Evolution“, Führung für Klasse 10 – 13

Führungsanmeldung: Telefonisch unter: 0711 – 89 36 – 266

Weitere Informationen unter: www.naturkundemuseum-bw.de

Vortragsreihe SEX – Motor der Evolution im Rahmen der Sonderausstellung SEX. Vortragssaal im Museum am Löwentor, 19:30 h, Einlass ab 18:30 Uhr

Kosten:
3 € Erwachsene
2 € ermäßigt
Mitglieder des Fördervereins frei

Vorträge:

16.11.2011: Die Evolution der Partnerwahl
Prof. Dr. Manfred Milinski, Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

14.12.2011: ZwitterSEX: Ultimative sexuelle Freiheit, aber mit einem bösen Haken
Prof. Dr. Nico Michiels, Institut für Evolution und Ökologie, Universität Tübingen

11.01.2012: PflanzenSEX – und was der Mensch daraus macht. Veränderungen im Dienste der Pflanzenzüchtung
Prof. Dr. Thomas Miedaner, Landessaatzuchtanstalt, Universität Hohenheim

15.02.2012: Warum gehen Vögel fremd? Verhaltensökologische und evolutionsbiologische Betrachtungen zum Liebesleben einiger Wildtierarten
Prof. Dr. Katharina Foerster, Institut für Evolution und Ökologie, Universität Tübingen

29.02.2012: SEX bei Primaten: Anpassungen und Kuriositäten
Prof. Dr. Peter Kappeler, Institut für Zoologie und Anthropologie, Universität Göttingen

14.03.2012: SpinnenSEX
Prof. Dr. Gabriele Uhl, Allgemeine und Systematische Zoologie, Universität Greifswald

18.04.2012: Was Sie schon immer über SEX wissen wollten …
Dr. Arnold Staniczek & Ulrich Schmid, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

16.05.2012: Jungfernzeugung
Prof. Dr. Dr. Manfred Schartl, Physiologische Chemie, Universität Würzburg

Verlängerte Öffnungszeiten: Vor den Vorträgen hat die Sonderausstellung SEX im Schloss Rosenstein bis 19 Uhr geöffnet.

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