Von Wiglaf Droste
Ob Christian Wulff oder jemand anderer dem Amt des Bundespräsidenten innewohnt oder nicht, könnte einem ziemlich gleichgültig sein; der Job als oberster Grüßaugust hat nur noch bei hoffnungslosen Realitätsverweigerern einen gewissen Nimbus. Den Kokon dieses Pfffhh,-egal,-so-wichtig-ist-das-nicht-Gefühls, der ja vor allem ihn selbst schützte, hat Christian Wulff eigenhändig zerstört, durch eine Dimension von Dummheit, die ihn tatsächlich zu einer herausragenden Persönlichkeit macht.
Wulff hat sich mit zwei Telefonaten Kai Diekmann ausgeliefert, dem Chefstrizzi von ‚Bild’, einem deutschen Silvio, der sich in Folge als Verteidiger einer Pressefreiheit aufspielen kann, die er so instrumentell als Freifahrtschein betrachtet und missbraucht wie die NPD das Grundgesetz.
Wulff lamentierte kreuzworträtselbildungsgesättigt vom „Rubikon“, der „überschritten“ sei und spielte damit Diekmann in die Hände, der silviohaft sofort „Ruby“ verstand und die Chance nutzte, sich als Daumen-rauf,-Daumen-runter-Diktator aufzuspielen.
Dass Diekmann bei den Jungs von den Frankfurt-Münchner Medien, die sich selbst das Attribut „Qualität“ anheften, willige Helfer und Vollstrecker fand, sagt nichts über Diekmann, aber alles über Leute, die bei dem Fitti Diekmann Brownie-Points sammeln gehen. Christian Wulff hat dem Gossenblatt ‚Bild’ und seinem Chefredakteur Diekmann, der wie ein Silvio nicht nur frisiert ist, Gelegenheit verschafft, sich als Organe der Pressefreiheit auszustellen. Das ist der eigentliche Skandal und der Hauptschaden, und diese Jauche muss leider nicht nur Christian Wulff ausbaden.

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