Unter dem Pflaster liegen die Weine.

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Die versteckt liegende Pariser Rue de la Montagne Sainte Geneviève führt schmal und steil bis zum Place du Panthéon hoch und wird nur selten von Touristen entdeckt, da diese sich dem monumentalen Bauwerk, in dem Größen wie Victor Hugo, Voltaire, Emile Zola oder der Widerstandskämpfer Jean Moulin ihre letzte Ruhe gefunden haben, zumeist vom Boulevard St. Michel und dem Jardin du Luxembourg her nähern.

In dieser Straße, nicht weit von den alten Gebäuden der Universität Sorbonne entfernt, findet sich ein Weingeschäft, wie es nur wenige gibt. De Vinis Illustribus heißt es und wird von Lionel Michelin, seiner Frau Dominique sowie seinem Sohn Mathieu geführt. Michelin hat, nach langen Jahren in der Telekommunikationsbranche, seine jahrzehntelange Leidenschaft für Wein an diesem Ort zur Profession gemacht, und die versteckte Lage des Geschäftes ist keineswegs ein Handicap, denn De Vinis Illustribus ist bei Weinkennern in aller Welt eine der allerersten Adressen.

Vor acht Jahren ist man vom früheren Standort in der Rue des Lyonnais hierher gezogen. Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert und besitzt auf zwei Ebenen geräumige Keller, die sich perfekt zur Weinlagerung eignen. So große und tiefe Keller sind in diesem Stadtteil, der zum 5. Arrondissement gehört, bei den alten erhaltenen Häusern keine Seltenheit – entstanden sie doch zwangsläufig beim Bauen, da man zu dieser Zeit die Mauersteine direkt aus dem Boden gewann. Die dabei entstehenden Hohlräume wurden überbaut und anschließend als Keller genutzt. Die Michelins haben das nur wenige Meter breite, aber sehr tiefe Haus sorgfältig restauriert, die Mauersteine und alten Balken frei gelegt und das Innere mit antiken Möbeln ausstaffiert.

Angeboten werden Weine, deren Preisspanne von günstigen 15,- € bis nahezu unbezahlbar reicht. Michelins Spezialität sind Jahrgangsweine, die er dank seiner besten Beziehungen aus verschiedenen Quellen beschaffen kann. Solche Weine sind sehr beliebt für Gelegenheiten wie Geburtstage oder Firmenjubiläen. Sie sind 1929 geboren? Da gäbe es einen Corton Clos du Roy für 430,- €. Sie gehen auf die 60 zu? Ein Chateau d’Yquem von 1955 schlägt mit heftigen 950,- € zu Buche, was aber niemanden bei diesem König der Sauternes verwundern dürfte.

In den Kellern lagern die Weine aber nicht nur – sie können dort auch genossen werden. Denn die Michelins veranstalten für Gruppen von Weinliebhabern Weinverkostungen mit passenden Speisen. Wer die Genüsse einiger französischen Regionen kennenlernen möchte nimmt vielleicht an einem kleinen Tasting mit drei Weinen (Bordeaux, Burgund und Côtes du Rhone) sowie passendem Käse teil. Man kann sich aber auch für einen angemessenen Betrag  große französische Weine aus früheren Jahrzehnten servieren lassen, dazu ein passendes Diner. Die Michelins bieten dazu aus ihrem reichen Erfahrungsschatz viel Wissenswertes und haben auf alle Fragen kompetente Antworten. Überaus angenehm ist dabei die Herzlichkeit, mit der man seine Gäste bewirtet und berät. Hier sind keine abgezockten Händler am Werk sondern Menschen, für die der Wein ein ganz besonderes Kulturgut darstellt. Und nicht nur dieser – auch die dazu servierten anderen Produkte wie das Brot, der Käse, die Wurst oder die Fois Gras und das süße Gebäck stammen allesamt von Erzeugern, die ihre Arbeit eben so ernst nehmen wie Familie Michelin.

Im Rahmen der diesjährigen Cookbook Fair in Paris hatte eine kleine Gruppe von Journalisten die Freude, ganz privat und ungezwungen die Atmosphäre im Weinkeller tief unter der Straße erleben zu dürfen, umgeben von Flaschen, die in den Regalen längs der Natursteinwände auf ihre Liebhaber warten. Lionel Michelin zeigt den Gästen unter anderem ganz besondere Steine, die beim Mauern der Kellerwände vor 400 Jahren verwendet wurden und die auf Grund ihrer Form bis auf die Römer vor mehr als 2000 Jahren zurückzuführen sind. Die Menschen früher hatten keinen Sinn für antike Relikte, ein gefundener Stein war so gut wie jeder andere, erst recht, wenn er schon behauen war. Also setzte man ihn mit ins Gewölbe.

Dieser Keller ist ein geradezu magischer Ort, in dem wir aufs Feinste verwöhnt wurden. Hier atmet nicht alleine Wein-, sondern auch Pariser Stadtgeschichte, und nur selten hat man als Besucher die Chance, ein historisches Wohnhaus in der Seinestadt so nahe und intensiv “erleben” zu können. Wenn Sie also nach Paris kommen, nehmen Sie sich die Zeit und schauen einmal bei den Michelins herein, Sie werden mit Sicherheit ebenso herzlich empfangen wie wir. Und vielleicht finden Sie ja einen Wein für eine anstehende, ganz besondere Gelegenheit.

awb

DE VINIS ILLUSTRIBUS
48, rue de la Montagne-Sainte-Geneviève
75005 PARIS-France

Boutique ouverte du mardi au samedi, de 14h à 19h
Dégustations 7 jours sur 7 en journée ou en soirée sur réservation

Bus : 91, 84

Tél : +33(0) 1 43 36 12 12
Fax : +33(0) 1 43 36 20 30
http://www.devinis.fr/


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