Die aktive Lüge.

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Da ist jemand zornig. Aber es ist kein blinder, kein emotionsgesteuerter Zorn, sondern der Zorn von einem, der über die Methoden seiner wissenschaftlichen Kollegen erbost ist. Und das in einem Buch aufbereitet hat, dem man nur viele, sehr viele Leser wünschen kann.

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber ist nicht irgendwer. Er war der verantwortliche Leiter der Prävention und Forschung der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) und damit einer der führenden Experten für Gesundheitsschutz in Deutschland. Er ist Professor für angewandte Prävention und Gesundheitsförderung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Vorstandsmitglied der Forschungsgesellschaft für angewandte Systemsicherheit und Arbeitmedizin (FSA), Mitglied der Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS) und Vorstandssprecher des Kompetenzzentrums für interdisziplinäre Prävention (KIP) der Universität Jena. Grieshaber ist Humanmediziner und Leiter der „Erfurter Tage“, einer der bedeutendsten arbeitsmedizinischen Fachtagungen zum Thema Atemwegerkrankungen. Womit noch immer nicht alle Funktionen und Aufgaben genannt sind, denen er sich bis heute gewidmet hat oder noch widmet. Halt, eine besondere Eigenschaft sei noch genannt: Prof. Dr. med. Romano Grieshaber war und ist sein Leben lang Nichtraucher.

Dies ist eine wichtige Eigenschaft im Kontext seines nun erschienenen Buches Passivrauchen – Götterdämmerung der Wissenschaft. Denn selbst der verbohrteste Antitabakfanatiker kann dem Autor keinen Lobbyismus für die Tabakbranche vorwerfen. (Anm.: Es ist allerdings anzunehmen, dass dies trotzdem geschieht, man muss sich nur einmal die hasserfüllten Beiträge der Antitabakmilizionäre ansehen, die sie in zahlreichen Blogs und Foren ablaichen. Aber zurück zu Fakten.)

Der Vorwurf der Gefährdung von Nichtrauchern durch das ungewollte, passive Einatmen von Tabakrauch spielt seit Jahren eine ganz entscheidende Rolle im Kampf gegen den Tabak und bei der Durchsetzung immer restriktiverer Maßnahmen gegenüber Rauchern. Selbst ausgewiesene Raucherlokale oder -clubs, die nie ein Nichtraucher betreten würde, sind in Bayern nicht mehr erlaubt, andere Bundesländer sollen folgen. Das Argument für das flächendeckende, alle gastronomischen Einrichtungen betreffende Verbot auch wenn es keine nichtrauchenden Gäste gebe müsse das Personal in solchen  Betrieben geschützt werden. Notfalls auf Kosten von deren Arbeitsstelle.

Ein Beispiel ist die mit immensem finanziellen Aufwand in Nürnberg vor einigen Jahren eröffnete Smokerlounge der Casa del Habano. In die würde sich nie ein Nichtraucher verirren, und wer dort arbeitete tat es gerne und bewusst. Damit war es mit Durchsetzung des völligen Rauchverbotes vorbei, und die Betreiberin, die noch mehrere Rechtswege versucht hatte zu gehen, stand vor einem Haufen Schulden und den Trümmern ihrer geschäftlichen Träume. Durch das Rauchverbot in der Zigarren-Lounge hat sie ca. 95 % ihrer Gäste verloren, und mehrere Angestellte ihren Arbeitsplatz …

Aber dafür waren diese bedauernswerten Lohnsklaven nun nicht mehr dem Passivrauch anderer ausgesetzt und konnten sich ungestört dem eigenen Aktivrauch hingeben… verrückte Welt.

Prof. Grieshaber war über sein gesamtes Berufsleben hinweg mit der Erforschung von Kausalzusammenhängen bei arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren befasst, und das in Theorie und Praxis. Man darf also annehmen, dass ihm seriöses wissenschaftliches Arbeiten vertraut ist. Und eben die nach seinen Erkenntnissen unseriöse Arbeit der WHO und des Deutsche Krebsforschungszentrums mit dem Zweck, das  Passivrauchen* als lebensgefährlich zu brandmarken und so ein unschlagbares Argument für massive Restriktionen gegen das Rauchen weltweit zu erschleichen war es, die den Arzt und Wissenschaftler  Grieshaber zu seinem Buch veranlasst hat. Wohlgemerkt: Grieshaber spricht sich mt keinem Wort für das Rauchen an sich aus. Dessen gesundheitsschädlichen Effekte sind völlig unbestritten. Aber dass die Passivrauchlegende hinzu erfunden wurde empört den Wissenschaftler, der den dafür angeführten ‘Fakten’ und ‘Beweisen’ jegliche Seriösität abspricht.

(* Den Begriff Passivrauchen prägte der deutscher Internist und Hochschullehrer Fritz Balduin Lickint, der trotz eigenem, sozialdemokratischen Hintergrund in seinem Kampf gegen den Tabak so fanatisch war, dass er in den 1930er Jahren mit den Nazis in deren Anti-Tabak-Kampagne paktierte.)

Man muss zugeben: die Passivraucherlegende in die Welt zu setzen war ein äußerst geschickter Schachzug. Denn auf diese Weise rekrutierte man mit einem Schlag zigmillionen zivile Helfer, die den Rauchern nun mal zeigen konnten, wo der Feuerlöscher hängt. Obrigkeitshörige, Mucker und Temperenzler konnten und können jetzt ganz legal ihre Rolle als Blockwart ausüben, und je schlichter der Geist, um so eifriger Einsatz. Der Journalist Harald Martenstein berichtete erst vor kurzem in der FAZ, wie er auf einem Bahnsteig ganz bis ans Ende ging, um eine Zigarette zu rauchen und dann ein Paar mehr als hundert Meter zu ihm kam, um ihm zu sagen, dass er sie mit seinem Rauch belästige. Wer immer sich die Passivraucherlüge ausgedacht hat – er kannte sich wirklich gut mit Hysterie aus.

Seit 2011 ist Grieshaber pensioniert, und die ihm dadurch nun verfügbare Zeit hat er genutzt, seinen bereits seit Jahren schwelenden Zorn gegen die mit unseriösen Mitteln geführten Kampagnen gegen das Rauchen in einem Buch darzustellen. Und das tut er mit Klartext. “Es ist keine Kleinigkeit, dass die Ergebnisse aus der Publikation “Passivrauchen, ein unterschätztes Risiko” des Deutschen Krebsforschungszentrums, auf die sich Gesetzgeber und Verfassungsrichter hauptsächlich gestützt haben, aus wissenschaftlicher Sicht keineswegs haltbar sind.” So Grieshaber in seinem Vorwort. Mit anderen Worten: Falsche Untersuchungsergebnisse dienten und dienen als Grundlage für Gesetze, die weitreichende Konsequenzen haben.

Das sind schwere Geschütze, und deren Einsatz muss gut überlegt begründet sein. Prof. Grieshaber ist da sehr selbstbewusst: “Zu diesem Urteil bin ich qualifiziert, denn ich darf mich [...] als anerkannten Präventionsfachmann bezeichnen.” Und so ist sein Buch eine einzige, durch zahlreiche Fakten belegte Abrechnung mit den unseriösen Methoden und Publikationen, die dazu geführt haben, dass Raucher immer mehr zu Außenseitern in der Gesellschaft gemacht werden und eine kaum überschaubare Zahl von Existenzen (Gastronomen, Tabakhändler und deren Angestellte, Hersteller von Produkten rund um das Rauchen) bis heute bereits vernichtet wurde.

Wem aber nützt dies, wer hat an dieser Entwicklung ein Interesse? Warum begnügt man sich nicht damit, dem Raucher seine zweifelsohne ungesunde Angewohnheit (oder bei Genussrauchern: Leidenschaft) durch Maßnahmen vor Augen zu führen, wie sie seit Jahren durchgeführt werden, ansonsten aber doch in Bezug auf den Konsum eines immerhin legalen Produktes eine angemessene Verhältnismäßigkeit zu wahren? Wurde vielleicht sogar gezielt mit gefälschtem Material gearbeitet, um eine dramatische Gefährdung von Nichtrauchern zu  “belegen” und somit dem Gesetzgeber kaum noch eine Wahl zu lassen bei der Verschärfung der Gesetze?

Offenbar stecken dahinter sehr massive und einflussreiche Kräfte. Professor Grieshaber konnte das in den vergangenen Jahren immer wieder erleben, von gefälschten Berichten bis zu persönlichen Einschüchterungen und der Diffamierung als ‘Massenmörder’ gab es alles. Deshalb wundert er sich schon längst nicht mehr, “warum in der Fachwelt kaum jemand beim Thema Passivrauch noch irgendeinen Widerspruch wagt.”

Auf 280 Seiten hat der Arzt und Wissenschaftler Grieshaber die Ergebnisse seiner jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema zusammengebracht und geht auch ausführlich auf die Frage “Cui bono?” ein. Auch wenn das Buch immer wieder einmal auf eher nüchterne Zahlen und Fakten eingehen muss ist es alles andere als ein trockenes Fachbuch. Es liest sich von Anfang bis Ende geradezu spannend und wartet mit Fakten auf, die, eben weil dieser Autor so kompetent in der Sache ist, den Horizont des Lesers enorm erweitern kann. Militante Nichtraucher werden sich leider nicht damit auseinander setzen, hier herrscht nur der blanke Hass, wie man diesem Zitat aus einem Nichtraucherblog über das Buch entnehmen kann: “[...] Professor Romano Grieshaber rechnen, der in seiner Amtszeit bei der BGN (Berufsgenossenschaft für Gaststätten) bereits die absurdesten Thesen über Passivrauchen verbreitete. [...] Grieshaber ist mittlerweilen verrentet, doch er entblödet sich nicht, seine damaligen Thesen in einem gräßlich unwissenschaftlichen Pamphlet der Öffentlichkeit feil zu bieten.  Fragt sich nur, wer diesen pseudowissenschaftlichen Schwachsinn glauben mag.” (Quelle) Das nennt man also auf Seiten der Nichtraucherlobbyisten ‘seriöse Auseinandersetzung’. Es ist kaum anzunehmen, dass der Schreiber solcher Verbalinjurien Grieshabers Buch überhaupt gelesen hat. Der Autor hat sein Werk aber auch nicht für solche Fanatiker geschrieben, er wendet sich mit Passivrauchen – Götterdämmerung der Wissenschaft an intelligente Menschen. Und will neben einer allgemeinen Aufklärung über das Zustandekommen des Passivrauchermythos vor allem eines erreichen: “Die Diskussion (über die Rolle des Passivrauchs) wurde zu Unrecht für abgeschlossen erklärt. Ich rufe die Fachwelt, aber auch die interessierte Öffentlichkeit dazu auf, sie auf Basis von Fakten noch einmal zu beginnen. Mit diesem Buch will ich die Debatte anstoßen.”

Ob es gelingt? Der Rezensent ist skeptisch. Vertrauen in die Kraft von Fakten und deren wichtige Rolle bei politischen Entscheidungen ist gut und richtig, aber allzu oft drehen sich Verantwortliche die Fakten so, wie sie es für ein bereits zuvor beschlossenes Ergebnis benötigen. Die Sonne dreht sich um die Erde, Kernkraft ist sicher, der Irak besitzt Massenvernichtungswaffen … alles ‘Fakten’, auf deren Basis ganze Weltbilder oder eine Entscheidung über Krieg oder Frieden beruhten. Ob ein Buch, sei es noch so fundiert, an der schon vor mehr als 35 Jahren beschlossenen Verteufelung des Tabakkonsums noch einmal etwas ändern kann darf bezweifelt werden. Doch gerade das spricht für die Lektüre, denn sie zeigt dem Leser (wieder einmal) an einem konkreten Beispiel, dass es auch im angeblich so objektiven wissenschaftlichen Bereich mehr als nur eine Realität gibt. Welche dieser ‘Realitäten’ dann letztendlich den staatlichen Segen erhält hängt, wie in diesem Falle, nicht unbedingt von ihrer Nachprüfbarkeit ab.

awb

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber
Passivrauchen – Götterdämmerung der Wissenschaft

Preis: 19.95 €
ISBN 9783000376054

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-> Ein Interview mit Professor Grieshaber

-> Herrenzimmer: Professor Beda M. Stadler über die Passivrauchlegende

-> Herrenzimmer: Professor Beda M. Stadler: Enttarnte Wunder

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