Vom Bloggen, Kochen und Leben.

Ich kann über Food-Blogs im Internet leider nichts sagen – ich lese sie nämlich nicht. Dass es sie überhaupt gibt weiß ich nur, weil einige Freunde und Bekannte Food-Blogs betreiben, aber dort mal rein- und rauskucken war eins. Das soll keineswegs gegen diese spezielle Bloggersphäre sprechen, in der es wohl weitestgehend um Essen, Trinken und Kochen geht. Alles Dinge, denen ich ausgesprochen zugetan bin, aber nicht als Leser von Blogs. Mein Fehler, ich weiß.

Somit ist mir auch Astrid Paul kein Begriff, die seit 2009 den Food-Blog Arthurs Tochter kocht betreibt und damit eine treue Gemeinde um sich geschart hat. Um diesen Erfolg – der sich inzwischen auch immer wieder mal im realen Leben durch Einladungen zu TV- und Radio-Sendungen, Buchpräsentationen oder Kochshows manifestiert – zu haben muss sich Astrid Pauls Blog schon irgendwie von anderen unterscheiden, denke ich. Was sich dadurch zu bestätigen scheint, dass der über jeden Verdacht erhabene Verlag Collection Rolf Heyne vor kurzem ein von Astrid Paul verfasstes Buch unter dem Titel Arthurs Tochter kocht – mein B_Logbuch veröffentlichte und der ebenfalls über jeden Verdacht erhabene Stevan Paul (nicht verwandt und verschwägert) sich in höchsten Tönen über das Buch seiner Kollegin ausgelassen hat.

Das Cover würde eher zum Titel Arthurs Tochter wird gekocht passen, denn man sieht die Autorin in einem mächtigen Kessel sitzend auf dem Herd und nicht etwa davor stehend. Die hübsche Bildidee macht jedenfalls bestens auf das Buch aufmerksam, das vom Verlag gewohnt wertig aufgemacht ist und natürlich auch mit einem Lesebändchen aufwarten kann.

Anders als man vielleicht erwartet ist Arthurs Tochter kocht kein Best-of Blog. Das Buch ist ein eigenständiges Werk, Autobiografie, Gedanken über das Hier und Heute unter besonderer Berücksichtigung des Bloggens sowie Kochbuch zugleich, denn einige Rezepte dürfen natürlich nicht fehlen. Manches, sagt die Autorin, ist schon im Blog erschienen, aber dennoch ist das Buch eine neue Dimension ihres Schreibens. Dass Astrid Paul zu schreiben versteht merkt man spätestens nach den ersten paar Seiten, sie zieht mit der Schilderung ihrer in einer streng christlich sektiererischen Familie und den aus diesen – auch was die Ernährung angeht – resultierenden Einschränkungen den Leser gleich ins Buch hinein. Die Restriktionen führten dazu, dass in ihr rasch der Wunsch nach genussvollem Essen erwachte, und so hatte die religiöse Erziehung denn letztendlich noch ihr wahrhaft Gutes.

Vor allem für Blogger, ob Food oder Non-Food, enthält das Buch eine Menge an Gedanken, Anregungen und Fragen, die auch für ihre eigene Publikation von Interesse sein dürften. Vor allem scheint sie meisterhaft das Networking zu beherrschen, die Kunst, viele verschiedene Menschen und Einflüsse zusammenzuführen und für sich, aber auch für andere, daraus irgendeine Art von Gewinn zu ziehen. Nicht alles, was Astrid Paul über ihren Werdegang und ihr Leben erzählt, hat mich persönlich interessiert, aber das spricht keineswegs gegen das Buch; es resultiert vielmehr daraus, dass ich ihren Blog nicht kannte und dem entsprechend keinerlei persönliche Beziehung zu ihr habe. Das ist für treue Leser ihres Blogs natürlich etwas ganz anderes, die können oft gar nicht genug Hintergrundinfos von ihren “Stars” bekommen.

Viele User des Internets  haben zu Blogs immer noch ein eher distanziertes Verhältnis. Sie billigen dem Geblogten weniger Kompetenz und Qualität zu als dem Gedruckten, aber das ist ein Vorurteil. Klar, jeder Spinner kann in einem Blog sein krudes Weltbild vertreiben und die abstrusesten Texte unters Volk bringen, aber gilt das nicht auch für die Printpresse? Im Kiosk findet man genau so Zeitschriften über Engel, Wahrsagerei und Astrologie wie man im WWW Blogs darüber findet. Mag sein, dass das Internet dank seiner geringeren Hürden beim Publizieren noch wirrere Menschen animiert, etwas abzulaichen als das bei der Druckpresse der Fall ist, aber zugleich eröffnet es vielen hochtalentierten und -motivierten Autoren die Möglichkeit, etwas mitzuteilen, das auch andere interessiert und das sich in Nichts vor etablierteren Medien verstecken muss.

Astrid Paul hat mich mit ihrem Buch neugierig gemacht auf den Blog, und so werde ich ihn nun einmal in aller Ruhe und Ausführlichkeit studieren.

Zum Blog von Astrid Paul
Leseprobe aus dem Buch

ASTRID PAUL
ARTHURS TOCHTER KOCHT
MEIN B_LOGBUCH

Collection Rolf Heyne
272 Seiten
13,5 x 21,5 cm
Gebunden, Schutzumschlag, Fadenheftung
ISBN-13: 978-389910532-2
€(D) 17,90 / €(A) 18,40 / sFr 25,90

Astrid Paul, 44, Allroundgenießerin, Organisationstalent und leidenschaftliche Köchin, eröffnete mit 23 Jahren ein Café, pachtete anschließend ein Hotel, leitete ein Weingut und organisierte Veranstaltungen. Nach einer Tätigkeit als Managerin in einem großen Lebensmittelkonzern hat sie sich 2011 mit dem Unternehmen »Arthurs Tochter Kocht – einfach kulinarisch« erneut selbstständig gemacht. Seit 2009 schreibt sie als »Arthurs Tochter« einen der bekanntesten und erfolgreichsten Foodblogs in Deutschland.

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