Aus meinem Kuriositätenkabinett: Die Cigarre für Großmäuler.

Nick Perdomo bei einem Empfang im Wiener Palais Schwarzenberg (Foto awb)

Nick Perdomo sr. kam in den 1990er Jahren auf die Idee, eine Cigarre zu kreiieren, die optisch gut zu ihm passte. Das Ergebnis war die Inmenso, ein wahrer Wonneproppen mit dunklen Deckblatt. Kiste und Bauchbinde zieren ausgerechnet ein Foto der legendären Ilga (oder Hilda), die bei Partagás als Sortiererin arbeitete und sich aus losen Tabakblättern riesige Dinger rollte, die sie gerne in jede Kamera hielt und sich damit von den Touristen und Cigarrenliebhabern ein kleines Zubrot zum sicherlich kärglichen Lohn finanzieren ließ. Die Wahl der Kubanerin Ilga für die Verzierung der Inmenso war schon ein wenig dreist von Perdomo, dessen Familie im Zug der Revolution die Insel verließ, um sich in den USA niederzulassen. Bis heute vetritt die Familie in allem einen streng antikommunistischen Kurs, zitiert gerne Ronald Reagan, weist stolz auf die früheren guten Beziehungen zu Kubas korruptem Mafiapräsidenten Battista hin und träumt gewiss von dem Tag, an  dem man sich wieder auf Kuba niederlassen kann.

Zunächst fertigte Perdomo nach der Flucht aus Kuba Cigarren in Florida, erst in Miami, später in Tampa. Seit Jahren produziert man nun seine unterschiedlichen Cigarrenmarken und -formate in Estelí, Nicaragua. Oft und gerne ist Nick sr. auch in Deutschland, so besucht er regelmäßig die inter-tabac in Dortmund und war erst vor einigen Wochen in der Düsseldorfer Cigarworld Lounge zu Gast. Ein angenehmer, höflicher und freundlicher Mensch.

Zu Perdomos eher bizarren Ideen im Cigarrengeschäft gehörte eine Figurado mit quadratischem Querschnitt und einem rosafarbenen (rosado) Deckblatt, die tief in meinem Kuriositätenkabinett verborgen liegt, und auch die Inmenso reiht sich eher in die Kategorie “netter Scherz” ein. Denn das gewaltige Ringmaß von 70 ließ es kaum zu, dass man ein komfortables Mundgefühl beim Rauchen erleben konnte. Die Tabakmischung hingegen besaß durchaus hohe Qualität mit der Honduras/Nicaraguaeinlage und den schönen Deckblättern aus Corojo, so dass der Rauchgenuss dieser Granaten ausgesprochen angenehm war. Um die kuriose Cigarre in der Öffentlichkeit zu rauchen bedurfte es einiges Selbstbewusstseins, denn damit fiel man wahrlich – nicht unbedingt positiv – auf. Ein amerikanischer Cigarrenkritiker schrieb einst über die Inmenso: “Perdomo nennt diese Monster “großzügig proportioniert,” ich hingegen finde sie mit “krankhaft fettleibig” besser beschrieben. ”

awb

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