Zeitlos schön. 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino

Verführerisch, provokativ, banal, exzentrisch und vor allem mächtig- Modefotografie ist schon lange nicht mehr nur reine Auftragsarbeit und ästhetisierende Dokumentation. Vielmehr ist sie ein einzigartiges Experimentierfeld zwischen Kommerz und Kreativität, zwischen Mainstream und Subkultur, zwischen Industrie und Kunst. So paradox sie in ihrem Wesen und ihrer Umsetzung auch erscheinen mag, seit Anbeginn der Fotografie ist sie ein wichtiger Teil unserer visuellen Kultur. Wie kein anderes Genre hält die Modefotografie nicht nur den Zeitgeist der jeweiligen Dekaden, individuelle Sehnsüchte und gesellschaftliche Träume fest, sondern beeinflusst, regt an und fordert zur Partizipation und Nachahmung auf. Welch soziologische Dimension! Diese enorme Wirkungskraft hat der legendäre Verleger Condé Nast früh erkannt und für seine Magazine wie Vogue und Vanity Fair einen bis heute prägenden Stil entworfen. Seine Publikationen haben die Haute Couture erst zur Kunst erhoben. Mit seinem einzigartigen Gespür für die Entdeckung neuer Talente hat er die besten Fotografen entdeckt, die Karrieren renommiertester Modefotografen gefördert und damit ein ganzes künstlerisches Genre nachhaltig geprägt.

Kein anderes Segment der Fotografie hat so umfangreich und permanent neue Bilder generiert und sich immer wieder neu erfunden. In der Modefotografie wurden oft als erstes neue Bildsprachen und Ästhetiken erprobt, eng verbunden mit der Weiterentwicklung der Technik. Interessanterweise wurde seit den Anfängen der Modefotografie das Objekt selbst, die Mode, zunehmend aus dem Fokus verdrängt. Stattdessen wurde die Bildsprache des Fotografen immer dominanter, opulent inszenierte Bildkompositionen und aufwendige visuelle Gestaltungen immer wichtiger und die Bedeutung der Models nahm stark zu. So war und ist das Produzieren von reinen Modeaufnahmen nicht ausreichend – innovative, unverwechselbare Styles, Trends und Images mussten kreiert, immer neue Themen und Tabus gebrochen werden. Heutzutage sind die Grenzen zur kommerziellen Fotografie auf der einen und künstlerischen Praktiken auf der anderen Seite fließender – immer häufiger werden klassische Modefotografien auf dem Kunstmarkt gehandelt.

Der Condé Nast Verlag hat erstmals seine Archive in New York, Paris, London und Mailand geöffnet und Einblicke in eine Fotosammlung höchsten Ranges gewährt. Die Ausstellung gibt einen repräsentativen Überblick über das Genre und zeichnet die Entwicklung der Modefotografie nach – von den klassischen Bildkompositionen der Gründungsväter wie Edward Steichen und George Hoyningen-Huene über die experimentelle Fotografie von Erwin Blumenfeld und Irving Penn, der Sexualisierung und des Voyerismus von Helmut Newton, der Cool Elegance von Peter Lindbergh bis hin zu neuesten Arbeiten von Mario Testino und Tim Walker. Es zeigt nicht nur Modefotografien, sondern auch Verlagsgeschichte und Etablierung eines Mediums und dessen Wandlungen. In der Ausstellung sind zudem Werke von Cecil Beaton, Man Ray, Diane Arbus, Horst P. Horst, William Klein, Sarah Moon, Albert Watson, Herb Ritts, Bruce Weber, Corinne Day und weiteren Fotografen vertreten.

Seit seiner Gründung 1909 hat der Condé Nast Verlag nicht nur Printmedien wie Vogue, Vanity Fair und Glamour etabliert, sondern über mehr als 100 Jahre das Bild von Mode und des Menschen mitgeprägt. Durch diese lange verlegerische Tätigkeit haben sich Unmengen von Fotografien in den Archiven des Verlags angesammelt, die mit Etablierung des Digitalen nicht entsorgt wurden, sondern einen einzigartigen Fundus bilden, aus dem diese Ausstellung entstanden ist. Innerhalb der Modefotografie gibt es kein Archiv, das mit historischer Kontinuität die Ursprünge des Genres so vielseitig, tiefgehend und global belichten kann.

Aus diesem bedeutenden, historischen Bestand hat die Kuratorin Nathalie Herschdorfer eine Essenz aus 100 Jahren Modefotografie zusammengestellt – von seltenen Fotografien der Anfänge bis hin zu spektakulären zeitgenössischen Werken. Die Ausstellung umfasst über 150 Vintage-Prints sowie originale Magazine, die noch nie zuvor präsentiert wurden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Prestel.

Zeitlos schön
100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino

Ausstellung 18. August bis 28. Oktober 2012
Eröffnung Freitag, den 17. August 2012 . 19 Uhr

Öffnungszeiten täglich . 11 bis 20 Uhr
Eintritt 10 Euro . ermäßigt 5 Euro

Ort C/O Berlin im Postfuhramt
Oranienburger Straße 35/36 . 10117 Berlin
Veranstalter C/O Berlin
International Forum For Visual Dialogues

Partner FEP . Berlin art Week
Mobilitätspartner Deutsche Bahn
Unterstützer The Mandala Hotel . AV Tour . Dinamix
Medienpartner Vogue . Sleek . Der Tagesspiegel . zitty

Ähnliche Artikel im Herrenzimmer
Zeitlos schön. 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino
C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert vom 18. August bis 28. Oktober 2012 die Ausstellung Zeitlos schön . 100 Jahre Modefotografie von Man ...
Weiterlesen...
Mario Testinos Liebeserklärung an seine größte Muse
Mario Testino ist als der Modefotograf seiner Generation anerkannt. Doch seine Aufnahmen von Kate Moss gehen über die Welt der Mode hinaus. Sie sind die Frucht ...
Weiterlesen...
Gundula Schulze Eldowy . Die frühen Jahre Fotografien 1977 bis 1990
C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert vom 10. Dezember 2011 bis 26. Februar 2012 die Ausstellung Die frühen Jahre . Fotografien 1977 bis ...
Weiterlesen...
Ron Galella . Paparazzo Extraordinaire!
C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert vom 10. Dezember 2011 bis 26. Februar 2012 die Ausstellung Paparazzo Extraordinaire! des amerikanischen Fotografen Ron Galella. ...
Weiterlesen...
Salvador Dalí – Zwei Jahre Surrealismus am Potsdamer Platz in Berlin
Am 5. Februar 2011 ist Salvador Dalí als Kulturhighlight „Dalí – Die Ausstellung am Potsdamer Platz“ nun schon zwei Jahre fester Bestandteil der ...
Weiterlesen...
Zeitlos schön. 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino
Mario Testinos Liebeserklärung an seine größte Muse
Gundula Schulze Eldowy . Die frühen Jahre Fotografien 1977 bis 1990
Ron Galella . Paparazzo Extraordinaire!
Salvador Dalí – Zwei Jahre Surrealismus am Potsdamer Platz in Berlin