Ich bau’ dir ein Haus …

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Auch Praline fertigt der Meister. Zu essen mit spitzem Mündchen.

Zu den deutschen Leitmedien zu gehören ist keineswegs immer nur von Geist, Genuss und Gelassenheit geprägt, manche harte, an Grenzen führende  Aufgabe kann auf einen Meinungsmacher zukommen.

Wie um das wieder einmal auf die Probe zu stellen flatterte neulich eine Einladung ins Haus, der man nur zu gerne widerstanden hätte. Allerdings würde man damit seinem Informationsauftrag nicht gewissenhaft gerecht werden, ist der im Zentrum der Einladung stehende Mensch doch inzwischen – wie der Schreiber dieser Zeilen selber am vergangenen Wochenende feststellen musste – sogar in den angeblich letzten Domänen der Männlichkeit, also in  Baumärkten anwesend. Nein, nicht nur in den Tagen rund um Halloween, sondern offenbar auf Dauer, zumindest in der Tapetenabteilung. Als Display.

Der Meister des süffigen Mündchens

Zwei Presseeinladungen also wurden vor wenigen Wochen ins Herrenzimmer gereicht, die eine zur Vorstellung von Trockenfleisch made in Germany, die andere zur Deutschlandpremiere: Präsentation des Glööckler Hauses mit Stardesigner Harald Glööckler. Trockenfleisch, nicht traurig sein – diesmal muss es Glööckler sein; hatte er uns doch schon mehrfach vergeblich eingeladen,  mal zur Autogramm- und Signierstunde, mal zur Präsentation der Pralinen-Kreation „GLÖÖCKLER PRALINÖÖS“, mal zur Weltpremiere der neuen Möbelkollektion „GLÖÖCKLER HOME“, dann zur Präsentation der exklusiven „Hollywood-Kollektion“ und zu Glanz und Gloria auf der Tendence in Frankfurt am Main und zu Glööckler Dog Couture by Karlie oder auch in seine neue Hollywood-Cases-Kollektion für Smartphones. Alles ließen wir bis dato resonanzlos verstreichen, aber stetes Glööcklein hölt das Hirn, und so war es diesmal denn soweit: Die Präsentation des Glööckler Hauses mit Stardesigner Harald Glööckler im Berliner Hotel De Rome konnten wir nicht auch noch ignorieren.

Es traf sich gut, dass Herrenzimmer-Hauptstadtkorrespondent Torsten Alpers stets bereit ist, mit der Aussicht auf kaltes Fingerfood und ein warmes Schlückchen Klicko ziemlich über alles zu berichten. Ihn zur Reise nach Berlin zu überreden war demnach nicht schwer, und so freuen wir uns, aus erster Hand berichten zu können, welche Wohn(oder sind es Wahn?)ideen der umtriebige Glööckler der staunenden Elite des deutschen Journalismus mitzuteilen hatte.

Ein Herrenzimmer im Glööckler-Haus? Eher nicht.

Hat dieser Mensch womöglich seinen Künstlernamen in memoriam Raoul Hausmanns optophonetischer Poesie kreiert? Ich traue es ihm nicht zu. Zwar ist Harald Glööckler (bürgerlich Harald Glöckler), Ihro Majestäät Prinzessin Harald, selbsternannter Frauenversteher und Modeschöpfer, ein triviales Gesamtkunstwerk, aber für Dadaismus dann doch zu schwülstig, aufgeblasen und egozentrisch. So ist denn auch die Präsentation des von ihm entworfenen “Petit Palais” ein Teil seiner Selbstinszenierung und eher der neobarocken Plüschigkeit des Wilhelminismus zuzuschreiben. Himself gibt sich passenderweise die Ehre im kuppelig überdachten Atrium des Hotel de Rome in Berlin. Ließe man es undekoriert, hätte es Stil. Aber Glööckler hat angekarrt und aufgetischt. Das Mobiliar aus der Glööcklerschen Plüsch- und Tand-Kollektion entbehrt nicht einer gewissen Gemütlichkeit, die eingearbeiteten Pailletten und Edelsteinchen kratzen allerdings etwas auf der nackten Haut beim Räkeln.

Auftritt des Modeschöpfers. Professionell lächelt oder kussmundet er in die Kameras. Sein Mund kennt nur zwei Stellungen. Keiner posiert so süßlich wie er. Er macht das Beste aus seinem Typ, ist exzentrisch gestylt und lenkt mit schwergewichtigen Klunkern an Fingern, deren Ende lange lackierte Nägel zieren, nicht immer erfolgreich von seiner gepimpten Physiognomie ab. Ein Springbrunnen von Wörtern sprudelt aus seinem glossigen Lippenpaar und findet geradewegs den Weg in die Herzen der “Prinzessinnen von heute”.

Schließlich sei “jede Frau etwas besonderes und fast jeder Mann auch”, dem pflichten wir an dieser Stelle gerne bei, Herr G.

Ich bau dir ein Haus, so wie im Märchen ...

Die Vertriebskanäle für seine Mode sind ein Versandhandel, ein Lebensmitteldiscounter und ein Teleshoppingsender. Und auf VOX lässt er die, die sowas tolltolltoll finden, seifenopernd an seinem Leben teilhaben. Glööcklers überwiegend kunstfaserige Mode ist bezahlbar und tragbar, wenn man mutig ist und auf Surrogate und Suggestion steht. Sie kaschiert die Problöömzonen der Frau von heute perfekt und gibt Einblicke in das was geht, aber keinesfalls muss.

Nun also ein Fertighaus. Dessen Fassade, im genannten Atrium bis dato hinter feinstem Tuch vor Blicken verborgen, wird feierlich vor mehr oder wenigen mehr oder weniger interessierten Journalisten und Fotografen enthüllt.

© Foto: Glööckler House & Home

Pompöös, glamouröös und nützlich soll es sein. Es hat eine große Haustür und “wenn man da durchschreitet, kommt man sich vor, als wenn man was besonderes wär”, so Glööckler. Die Balkongeländer zieren die gleichen Krönchen wie sein Logo und ein ebensolches thront auch über der Eingangstür. Das Haus hat Rundungen, weibliche Rundungen, “die heutzutage im Hausbau leider gaaar nicht mehr vorkommen”, viel Platz für die Dame des Hauses, einen serienmäßigen Kronleuchter im Eingangsbereich und kann mit reichlich Zubehör versehen werden, unter anderem mit einer kompletten Möbelierung. Was das kostet? Geld, viel Geld. Ab 400.000,-€ aufwärts. Wer so etwas kauft? Der Herr seiner Dame wohl kaum. Es sei denn, sie wartet bis zu seinem Ableben.

Torsten Alpers

Hier wandelte Harald Glööckler.

Petit-Palais_Beschreibung und Eigenschaften des Gloeoeckler Hauses als PDF

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