Putumayo presents: Vintage France

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Die Rendez-Vous von Putumayo mit französischen Klängen sind legendär. In der Hörergunst rangieren die Kollektionen Paris und French Café unter allen CDs des bunten Labels ganz weit oben. Nun wird die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben: Beim dritten Flirt mit La Douce France tauchen die New Yorker tief in die Chanson- und Musettegeschichte Frankreichs ein.

Passenderweise haben die Amerikaner das Vintage France genannt – denn das Prädikat „vintage“ – Weinkenner wissen es – gilt als Gütesiegel für ausgereifte, exzellente Qualität mit klassischer Note. Und so fördert man hier auch Klassiker zutage, flirtet mit Ikonen, Diven und Grandseigneurs. Unvergessliche Evergreens von Gainsbourg, Salvador und Co ertönen, vorgetragen jedoch auch von frischen Stimmen aus der jungen Generation des Neochansons, parallel dazu werden spannende Seitenpfade in den Jazz oder ins Gipsy-Fach entdeckt.

Der Start im Paris einer vergangenen Ära könnte atemberaubender nicht sein:

Ein Besuch bei der großen Dame des Chansons eröffnet die Tour in den klassischen Chanson. JULIETTE GRÉCO stieg unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Pariser Quartier St. Germain zur Muse der Existentialisten auf, verkehrte mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und Jean Cocteau, hatte eine Liebesbeziehung zu Miles Davis. Sie ist sicherlich die Ikone der Nachkriegsmusik Frankreichs schlechthin, konnte parallel zu ihrer musikalischen Karriere auch eine auf der Leinwand starten. Bis heute ist die mittlerweile über 80jährige auf der Bühne aktiv. Hier greift sie einen Klassiker aus der Belle Époque auf, die sich in Paris mit Liedkomponisten wie Georges Villard und Georges Krier herauskristallisierte. Die beiden schrieben 1907 ihren „Valse Brune“, eine Hommage an die wirbelnden Tanzbewegungen beim schnellen Walzer – unter den unzähligen Interpretationen ragt die von Gréco aus dem Jahre 1957 mit ihrer sinnlichen Eleganz heraus.

Frankreich hat sich in seiner Musikhistorie immer wieder vom Nachbarn Italien inspirieren lassen. Ein besonders schönes Beispiel kommt hier: Die Arie „Tornerai“ stammt ursprünglich aus Giacomo Puccinis Oper Madama Butterfly und wandelte sich auf der anderen Seite der Grenze zu „J’attendrai“. Erstmals aufgenommen wurde es in diesem französischen Gewand von einer gewissen Rina Ketty im Jahre 1938. Mit seiner melancholischen, ja, herzzereißenden Grundnote passte der Chanson gut in die Endzeitstimmung kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und wird oft für Soundtracks verwendet, die in dieser Zeit angesiedelt sind. Hier liegt nun eine Version aus dem spanischen Streifen Las 13 Rosas vor, die Rolle des Sängers übernimmt der Spanier ASIER ETXEANDIA, der im Film auch einen Musiker mimt: „Ich werde warten, Tag und Nacht, ich werde auf deine Rückkehr warten, denn der Vogel, der wegfliegt, wird zurückkehren, um verlorene Erinnerungen wiederzufinden.“

„La Javanaise“ entschlüpfte 1962 der Feder des Enfant Terrible Serge Gainsbourg. Die Komposition gilt als Liebeslied für den Buchstaben „v“, da er so verführerisch in unzähligen Worten der Verse auftaucht. Die Javanaise steht für einen Tanz, der hier von den beiden Hauptpersonen vollführt wird, während sie sich für die Dauer dieses Chansons lieben: „Nous nous aimions le temps d’une chanson.“ Die Coverversionen der „Javanaise“ vollführen einen Spagat von Iggy Pop bis zu den Americanarockern namens Beirut. Auch frankophile Jazzsängerinnen hat dieser Chanson verständlicher-weise becirct. So hat ihn MADELEINE PEYROUX für ihr Album Half The Perfect World 2006 in einer streicherverliebten und schlafwandlerischen Version eingespielt. Peyroux’ Affinität zur französischen Kultur war so groß, dass sie von ihrer US-amerikanischen Heimat aufbrach und sich bereits als 15jährige in Paris an die Straßenecken stellte um zu singen. Heute zählt sie zu den überragenden Chanteusen der aktuellen Generation, sticht von ihrer Kernkompetenz Jazz immer wieder gerne in benachbartes Territorium hinein, etwa mit Coverversionen von Bob Dylan, Hank Williams oder Edith Piaf.

Die neue Generation des französischen Chansons – man nennt ihn auch Neochanson bzw. Nouvelle Chanson – hat keinen Bruch mit der alten Garde vollzogen. Im Gegenteil, sie verehrt die Stars von damals, arbeitet mit ihnen. Ein prominenter Fall ist etwa die Songschreiberin Keren Ann, die mit ihrem Chanson „Jardin D’Hiver“ einen Hit gelandet hat, der zwar erst vom Start des neuen Millennium datiert, aber klingt, als wäre er ein halbes Jahrhundert früher entstanden. Anns Neo Chanson-Kollege Benjamin Biolay hat das schwerelose Lied über den Wintergarten als Produzent betreut und für den Gesangspart die Legende Henri Salvador vors Mikro geholt – jenen Grandseigneur, der bis zu seinem Tod 2008 wie kein anderer Chanson und Bossa Nova vereint hat. Ein Tribut an Salvador entbietet hier nun der Pariser Sänger und Akkordeonist PATRICK NUGIER, der durch seinen langen Aufenthalt in Japan einer der herausragenden Botschafter des französischen Chansons in Fernost geworden ist.

„Les Parapluies De Cherbourg“ ist vielleicht das bekannteste Filmmusical Frankreichs. Im Jahre 1964 kam die bittersüße Romanze unter der Regie von Jacques Demy mit den Hauptdarstellern Cathérine Deneuve und Nino Castelnuovo in die Kinos. Für den Soundtrack sorgte Michel Legrand, und er schuf mit dem Titelstück einen absoluten Klassiker, der bis heute in verschiedenen Genres immer wieder aufgegriffen wird. Hier wird es vom niederländischen Harmonika-Virtuosen MARTIJN LUTTMER interpretiert. Der Bluesharper ist von seinem großen Idol und Landsmann Toots Thielemans beeinflusst. Die „Regenschirme von Cherbourg“ hat er auf seinem Soloalbum La Libélula 2010 verewigt.

Von der tänzerischen Mundharmonika zum gepflegten Piano: DANIEL ROURE stammt aus Marseille, wo er in den Fünfzigern in einer musikalischen Familie mit Jazz und Chanson aufwuchs. Der Südfranzose, der auch eine Zeit lang in Kalifornien lebte, bekennt, dass seine Idole aus beiden Erdteilen kommen: Charles Trenet und Yves Montand nennt er genau wie Dean Martin und Nat King Cole. „Les Baleines Bleues“ ist ein swingendes Kleinod mit gestopfter Posaune, auf dem Roure die Schönheiten der Natur preist. Dass er dabei einen maritimen Touch nicht verleugnet – schließlich übersetzt sich der Titel mit „Die Blauwale“ – rührt daher, dass der Musiker heuer als Schiffsarzt unterwegs ist. Das Stück kommt aus Roures 2001er-Werk Le Temps D’un Jazz.

Er kann sich rühmen, der älteste Interpret dieser Kollektion zu sein: NORBERT SLAMA ist echt „vintage“! Der blinde Akkordeonist wurde in Algerien geboren und erlebte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Blütezeit von Bal Musette-Meistern wie Guy Viseur und Jo Privat mit. Das Genre datiert bis auf die 1880er zurück, als in großer Zahl Einwanderer aus der Auvergne in die Hauptstadt strömten und ihre Traditionen einführten. Später brachten italienische Immigranten neue Formen wie Walzer und Polka auf die Tanzböden des Bal Musette. Slamas Karriere geht bis in die 1940er zurück, als er bereits als Bandleader agierte und mit Josephine Baker arbeitete; er spielte vor der englischen Königin genau wie vor Pablo Picasso und Elizabeth Taylor. Betagt pendelt der Grandseigneur heute zwischen Frankreich und New Orleans, wo sich eine wachsende Gemeinde für beschwingte Musette-Stücke wie „Nany“ begeistert.

Nun ein weiterer stichhaltiger Beweis, dass die Vintage-Musik unseres Nachbarns auch bei der jungen Generation eingeschlagen hat, denn FRANCESCA BLANCHARD ist erst Jahrgang 1992. Da ihre Eltern bei Menschenrechtsorganisationen arbeiteten, lernte sie Länder wie Äthiopien und Burundi kennen, fand dann in Vermont eine neue Heimat. Francesca liebt die Piaf und Carla Bruni, genauso erwärmt sie sich aber für Diana Krall und Norah Jones. Vorbote einer Karriere der jungen Frau ist momentan die EP Songs On An Ovation. Aus dieser kleinen aber feinen Produktion vernehmen wir hier einen der großen Klassiker des französischen Chanson, den Blanchard mit schwereloser und zugleich wehmütiger Folk-Verve singt. „Sous Le Ciel De Paris“ ist dabei 41 Jahre älter als sie selbst und wurde für den gleichnamigen Film komponiert. Edith Piaf und Yves Montand haben damals denkwürdige Versionen geliefert.

Natürlich hat sich französische Chansonkultur auch in die Vereinigten Staaten vorgewagt. In Louisiana – wo es historisch gesehen ja ohnehin eine enge Verbindung zu La Douce France gibt – fällt sie mit RAPHAEL BLAS auf fruchtbaren Boden. Der Gitarrist aus Bourges in Zentralfrankreich ist seinem Instrument schon mit zehn Jahren verfallen, besonders das Manouche-Fach, sprich: der Gypsy-Jazz hat es ihm angetan. Seit über zwanzig Jahren lebt Blas in den USA, New Orleans ist seine neue Heimat geworden. In der Crescent City hat Blas eine feine Legierung aus den Tönen à la Django Reinhardt und den alten Jazztraditionen vor Ort geschaffen. Eine Kostprobe gibt er uns mit dem Standard „Confessin’“, das Fats Waller und Louis Armstrong bereits vor über 80 Jahren eingespielt haben. In Blas klarinettenschwangerer Version bekommt die Tune ein unleugbares Paris-Flair.

Die Biographie von Michel Armengot alias ART MENGO ungewöhnlich zu nennen, wäre fast ein wenig Understatement: Seine Eltern flohen vor dem Franco-Regime nach Frankreich und so wuchs er in Toulouse auf. Schüchtern und mit einem 70%igen Verlust seines Gehörs gehandicapt, schien er nicht gerade der geeignete Kandidat für eine musikalische Karriere. Er tröstete sich zunächst mit dem Schreiben von Chansons im stillen Kämmerlein, studierte Physik und Chemie, arbeitete bei Renault. Eine Operation stellte sein Hörvermögen jedoch wieder her, und er begann seine Lieder aufzunehmen. Seit 1988 seine erste Single gleich ein Hit wurde, zählt er in Frankreich zu den Großen, schreibt auch für Kollegen wie Johnny Hallyday oder Ute Lemper.

„Je Me Fais Des Idées“, ein schlichtes Kleinod mit Gitarre und Akkordeon, singt er zusammen mit der Schauspielerin LARA GUIRAO als Hommage an die vielen Chansonduette, die es in Frankreich seit den 1930ern gab.

Und nochmals ein Sprung zurück ins Musette-Fach: Als ein Kind des Bastille-Quartiers widmet sich JEAN-CLAUDE LAUDAT von Kindesbeinen an der Bewahrung des Genres, und er tut dies nicht nur zuhause. Mit Gitarrist und Sänger Jean-Yves Dubanton tourt er auf verschiedenen Kontinenten und hat neuerdings gar eine Partnerschaft mit der Band Paname Swing ins Rollen gebracht, die Musette mit Funk und Soul koppelt. „Cloviswing“ ist eine Verbeugung Jean-Claudes vor seinem Vater Clovis und ist von der Spielweise des Musette-Helden Jo Privat inspiriert. Zu finden ist die vorliegende Version auf dem Album Le Jazz Et La Java (2001) – wobei Java hier nichts mit Indonesien zu tun hat, sondern auf den bei den Bals Musettes außerordentlich beliebten Tanz verweist.

Mit einer Liebeshymne auf Paris schließen wir die spannende Akte Vintage France: PHILIPPE GAUTIER hat sich auf seinen beiden bisherigen Alben den französischen Revolutionsliedern und den schönsten Chansons aus und über Paris gewidmet. Ein solches ist „Ménilmontant“, das schwelgerisch über das gleichnamige Viertel singt und bereits 1939 von Charles Trenet verewigt wurde: „Ménilmontant, aber ja, Madame, das ist der Ort, an dem ich mein Herz verloren habe, dort habe ich meine Seele gefunden, all meine Liebe, all mein Glück.“

Eine warmherzige und dynamische Revue mit ungewöhnlich beleuchteten Highlights und unentdeckten Tönen der französischen Seele.

01. Juliette Gréco: „La Valse Brune“ ( ) 2’48“
02. Asier Etxeandia: „J’attendrai“ ( ) 2’57“
03. Madeleine Peyroux: „La Javanaise“ ( ) 4’10“
04. Patrick Nugier: „Jardin D’Hiver“ ( ) 2’47“
05. Martijn Luttmer: „Les Parapluies De Cherbourg“ ( ) 3’26“
06. Daniel Roure: „Les Baleines Bleues“ ( ) 3’15“
07. Norbert Slama Trio: „Nany“ ( ) 2’29“
08. Francesca Blanchard: „Sous Le Ciel De Paris“ ( ) 3’10“
09. Raphael Bas: „Confessin“ ( ) 2’39“
10. Art Mengo & Lara Guirao: “Je Me Fais Des Idées“ ( ) 2’16“
11. Jean-Claude Laudat: „Cloviswing“ ( ) 3’18“
12. Philippe Gautier: „Menilmontant“ ( ) 2’30“

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