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Einer muss den Job ja machen - Pfarrgemeinderat Egbert S. befolgt biblischen Rat

Ein frommes Leben im Sinne und Wortlaut der Bibel – welche Ehe würde dadurch nicht aufblühen und gedeihen? Doch es ist nicht immer ganz einfach, den Worten des Allmächtigen zu folgen. Vor allem den Frauen, denen heutzutage so mancher teuflische Floh ins Ohr gesetzt wird, muss auf christliche und zugleich konsequente Art ihr Platz gezeigt werden. Denn so spricht der Herr: “Weiber, unterwerft euch euren Ehemännern, so wie ihr euch Gott unterwerft.” Eph. 5:22

Vordringliche Aufgabe des christlichen Ehemannes ist es daher – und heute um so mehr – die ihnen von Gott gegebene Autorität ihrer Frau gegenüber auszuüben und sie so auf dem rechten Weg zu halten. Denn die Frau ist von Geburt an die ewige Sünderin. Und das muss immer und immer wieder zur einzig richtigen Reaktion des Mannes führen: zur körperlichen Züchtigung des Weibes zwecks Bestrafung. Dazu bedarf es intensiver Kennerschaft des biblischen Wortes, denn im Heiligen Buch findet der Mann alles, was ihn zur Beherrschung des Weibes autorisiert. Nur der Mann,welcher den spirituellen christlichen Geist in sich trägt, ist fähig, die ganz besondere Handschrift zu besitzen, die er zur Disziplinierung seines Weibes benötigt. Nur dann kann er ihr seine ganze göttliche Liebe beweisen, mit deren Hilfe er sie von ihrem sündigen Dasein reinwaschen kann.

Nun mag so mancher Mann denken: “Ich habe sie noch nie gezüchtigt – wird es ihr denn nicht weh tun?” Die Antwort ist einfach: “Natürlich tut es weh, wenn du ihr den nackten Hintern versohlst. Das ist doch genau der Grund dafür, es zu tun! Denn nur dadurch kann sich ihr Verhalten bessern!”

Auf den ersten Blick scheint das Thema recht komplex zu sein, lieber Ehemann. In der heutigen Zeit, wo kaum noch jemand die Worte der Bibel in ihrer Gänze verinnerlicht hat, mag dieser Einwand sogar berechtigt sein. Um so schöner, dass es zum Thema der Christian Domestic Discipline Ehe eine nützliche Website gibt, die dem Mann das nötige Rüstzeug verleiht, mit dessen Hilfe er endlich der ihm von Gott verliehene Autorität gegenüber dem Weibe Ausdruck verleihen kann. Christian Domestic Discipline? Jawohl. Sie mögen davon noch nie etwas gehört haben, aber es gibt sie tatsächlich. Diese spezielle Form von religiös bedingtem Schwachsinn wird offenbar – wie meist, wenn Schwachsinn im Spiel ist, in den USA – von tausenden Paaren praktiziert. Das Grundkonzept ist einfach: Der Ehemann ist der Stellvertreter Gottes auf Erden für die Frau, er hat das Sagen und er hat vor allem das Recht, die Angetraute für ihre Sündhaftigkeit zu bestrafen. Wie? Die Weisungen sind eindeutig: zum Einen durch verbale Zurechtweisung, zum Anderen durch körperliche Bestrafung. Rock hoch, Hose runter, dann über die herrschaftlichen Knie gelegt und feste druff. Und zwar konsequent! “Entschuldige dich nicht für die Bestrafung! Dies würde nur dazu führen, dass sie deine Autorität anzweifelt.” Dem entsprechend hart muss der Ton sein. Nicht ” Legst du dich mal über meine Knie?” sondern “Über meine Knie, sofort!” Auch darf man sich nicht von Tränen und Betteln beeindrucken lassen: “Indem du sie schlägst, bis sie weint, erlaubst du ihr, sich dir voll und ganz zu unterwerfen und ihre Taten zu bereuen.”

Kranke Lektüre - geschrieben von einer Frau! (Screenshot: lulu.com)

Sie fragen sich: “Was ist das für eine kranke Sch….?” Sie halten das für die etwas schräge Version eines SM-Rollenspiels? Weit gefehlt. Christian Domestic Discipline (CDD) ist eine geradezu karikaturhafte Auswirkung religiösen Wahnsinns, der in vielen Foren, in Büchern und sogar Bootcamps virulent ist. So findet man unter anderem das Bestrafungstagebuch einer gewissen Chelsea, die erzählt, wie sie dafür bestraft wurde, dass sie mit dem Auto ein paar Meilen zu schnell gefahren war. Zunächst erhält sie eine verbale Belehrung, danach geht es mit einem Holzlöffel, einem Lederriemen und einem Holzpaddel körperlich zur Sache. Als alles vorbei ist, hat Chelsea ihre Lektion gelernt:

By the end of it, I was totally wore out. I hadn’t been spanked that hard in a long time. After it was over he held me (which is definitely the best part of a punishment!) and reiterated why I got spanked, what to do next time to avoid it, and how much he loved me. Oh- and about 3 threats of “don’t rub it!”
The spanking was definitely hard, but well deserved.

Chelseas Bestrafungstagebuch. In Psychiatrien sitzen Leute für weniger.

Nur um es noch einmal zu betonen: das ist keine SM Variante, sondern christliches Eheleben im Meisenheim des Herrn. Man mag natürlich darüber spekulieren, ob es sich bei den Anhängern dieses Lebensstils nicht einfach bloß um besonders verklemmte Sadisten und Masochisten handelt, die für ihre uneingestandene Passion eine religiöse Rechtfertigung hervorziehen müssen. Denkbar ist das ohne weiteres, und es wäre nicht das erste Mal. So schreibt der frühere Theologe und spätere Kirchenkritiker Hubertus Mynarek in seinem Buch Die neue Inquisition: “In der patriarchalisch-maskulin strukturierten Kirche mussten zwangsläufig die Frauen häufig noch schlimmer als die ketzerischen Männer bestraft werden. Ihnen gegenüber konnte sich auch die sexuelle Aggression und Perversion der Inquisitoren in besonderer Weise austoben.”

Wieso das heute noch Frauen, und das sogar “freiwillig”, mitmachen? Es ist anzunehmen, dass sie die Opfer einer extrem religiösen Erziehung sind, in deren Verlauf man ihnen immer wieder vorgekaut hat, die Frau sei per Geschlecht eine ewige Sünderin, die ihr Leben lang deshalb büßen muss. Wenn sie dann an den “Richtigen” gerät, ist die perfekte Ehe im Namen des Herrn entstanden. Allerdings mit einem ziemlichen Haken: Die Anhänger der Christian Domestic Discipline dürfen aus ihrem Tun nicht einmal sexuellen Lustgewinn schöpfen. Oder genauer ausgedrückt: sie dürfen das um Gottes Willen nicht zeigen …

awb

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