Meeco? MEECO!

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Ich hoffe, ich trete dem Mann nicht zu nahe, wenn ich frage: Wieso beim Grundgütigen kennt kaum jemand diesen Musiker, Komponisten und Produzenten mit Basis in Berlin und Paris? Nicht mal einen Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia gibt es zu Meeco (bürgerlich Michael Maier). Ohnehin ist er im Internet eher schütter vertreten. Dabei ist die Liste der Musiker, mit denen der heute 37-jährige bereits gearbeitet hat, nicht nur lang, sondern auch beeindruckend. Seine Website zählt Benny Golson, Gregory Porter, Ron Carter, John Scofield, Hubert Laws, Kenny Barron, Buster Williams, Kirk Whalum, Richard Bona, Casey Benjamin, Mary Stallings, Freddy Cole, Kevin Mahogany, Yahzarah, Jean Baylor, Bennie Maupin, James Moody, Eddie Henderson, Shedrick Mitchell, David “Fathead” Newman, Eric Reed, Vincent Herring, Victor Lewis, Stefon Harris, Lionel Loueke, Jaques Morelenbaum, Cedar Walton, Romero Lubambo, Charlie Mariano, David Friedman, Talib Kweli, Joe Bataan, Jane Birkin und DJ Stylewarz auf. Die muss man erst einmal zusammen bekommen.

Als ich Meecos viertes, eben erschienenes Album Souvenirs of Love vor einigen Tagen im Auto hörte, fiel mir erst einmal die Kinnlade herunter – den Einstieg in die Platte bildet eine wunderbaren Ballade, bestimmt von Saxophon und Piano, darunter gelegt eine reife, weibliche Stimme, die ein Gedicht rezitiert:

„Letters and pictures, safely ranged in a little box, hidden treasures full of secrets … A journey through time refreshing memories of sweet embrace, devotion, loss and unrequited affection. Souvenirs of love, precious moments of my life.“ Die große Jazz-Diva Mary Stallings legt ihre ganze Lebenserfahrung in den Titelsong.

Dass ich in diesem Moment in einer eher unwirklichen, zudem an diesem Morgen nebelverhangene Landschaft fuhr, verstärkte den starken Eindruck, den die Musik machte, zusätzlich, aber auch ohne diese visuellen Reize machte das Stück einen tiefen Eindruck. Hören kann man es am Anfang der bei Youtube zu findenden Doku über die Entstehung des letztes Jahr in New York aufgenommenen Albums.

Die Platte entstand unter “realen Bedingungen”, soll heißen: Wenn man zunächst bei der Liste an Jazzgrößen vermuten könnte, nämlich dass sie irgendwo ihren Part einspielten und das dann alles später im Studio zusammengemixt wurde, liegt man schwer daneben. Die großen alten Herren, darunter Buster Williams, Victor Lewis, Eddie Henderson und Wallace Roney, außerdem Vincent Herring, Kirk Whalum sowie John Scofield kamen tatsächlich in eigener Person im New Yorker Studio zusammen. Veteranen, die sich seit Jahrzehnten kennen und schätzen und daher entsprechend vertraut miteinander arbeiten konnten. Was man in jedem Takt der Platte hört.

In Paris - Meeco. (Wir haben uns das von seiner Website geholt und reichen die Credits gerne nach, sobald wir sie bekommen haben)

Immerhin findet man dann bei Suche nach weiteren Infos über Meeco auf der Website des Labels Double Moon einige wesentliche Infos zu seinem aktuellen Album. Seine eigene Website hingegen ist zwar formal gut gemacht, lässt inhaltlich aber viel zu wünschen übrig. Es gibt nur eine englische Fassung der Site, es gibt weder einen Pressebereich noch die Möglichkeit, für die Berichterstattung Bilder und Texte downzuloaden. Geradezu läppisch: man kann über einen Link wenigstens Meecos Biografie downloaden – und bekommt dann ein in ein PDF eingebettes Bitmap, aus dem man natürlich weder Text noch Bild entnehmen kann. So aber geht das nicht mit dem Ruhm, lieber M. M..

Zum Glück entdecken nun doch einige weitere Medien die Brillanz des Albums, so dass Meecos Bekanntheit vielleicht in der Folgezeit einen Schub bekommt. Die Vogue schreibt in diesem Monat, Souvenirs of Love sei “Sehr erwachsen, sehr luxuriös, sehr schön anzuhören.” Wohl wahr. Ohne der Platte zu nahe zu treten ist sie ein Easy Listening Album, das perfekt in jede Lounge passt, denn auch wenn Jazz drüber steht, tut die Musik niemandem weh (Leider ist es ja so, dass das Attribut “jazzy” viele potenzielle Hörer vom Plattengenuss abhalten kann, da sie vorschnell bei “Jazz” an atonale Kakophonien denken) .

Jazzthing hat Meeco einen Artikel gewidmet, den man hier finden kann, zudem steht da ein Titel des Albums zum kostenlosen Download bereit. Wenn der auch nicht gerade mein Lieblingsstück des Albums ist, zeigt er doch exemplarisch die Richtung, in die sich die Musik bewegt: Viel Soul, viel Rhythm & Blues, viel “Mood”. Das ist, ohne flach und gefällig zu sein, durchaus “massentauglich”; es liegt also jetzt nur daran, möglichst breitgestreut auf das Album aufmerksam zu machen. Was ich hiermit sehr gerne tue, denn M. M. (Mann und Musik) habe es redlich verdient.

Ins Album reinhören