Dumm gedacht.

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Irren ist bekanntlich menschlich, und nicht jeder Irrtum ist so fatal wie derzeit Kanzlerins “Wir schaffen das!” Das zu sagen und zu schaffen, ist zweierlei. Ob im politischen Umfeld, ob beim Sport, ob im Privatleben: Etwas zu schaffen ist zwar durchaus erstrebenswert, doch der gute Wille alleine reicht nun einmal nicht. Die Totengräber aller Jahrtausende haben stets einen krisensicheren Job gehabt, dank all der Feldherren, Kaiser, Könige, Wingsuitflieger und Extremkletterer, die es eben nicht schafften

Irrtümer und ihre Folgen können gravierend sein, müssen es aber nicht zwangsläufig, solange man auf seinen Irrtum keine Wette abschließt oder ihm ein dummes Leben folgen lässt. Zu glauben, dass Kometen am Himmel Unglück ankündigen, ist ein wenig naiv, aber nicht weiter schlimm. Zu glauben, dass kleine Zuckerkügelchen medizinisch gegen Krankheiten und andere Gebrechen helfen, ist hingegen nicht ohne Risiko. Und an einen der bisher gut 8000 von den Menschen erfundenen Göttern zu glauben, kann einem das ganze Leben versauen.

War Napoléon Bonaparte wirklich ein Gnom? Werden aus einem halbierten Regenwurm wirklich zwei neue Ganze? Gibt es Maikäfer nur im Mai? Schützen Amulette vor Unfällen und sonstigen Unbillen? Und ist man als Ganove vor Strafverfolgung sicher, wenn man in die französische Fremdenlegion eintritt?

Zwei neu erschienene Bücher befassen sich mit dem Thema Irrtümer und rücken eine Menge Irrtümer und Vorurteile zurecht. Norbert Golluchs 444 Neue Populäre Irrtümer ist eine Fortsetzung seiner Bestsellers 555 populäre Irrtümer. Aufgeteilt in verschiedene Themengebiete wie Geschichte, Essen und Trinken oder Kunst und Kultur sowie vielen weiteren bietet Golluchs Taschenbuch für 9,99 € auf 330 Seiten jede Menge Aufklärung. Die Themen scheinen zwar ein wenig willkürlich ausgewählt zu sein; das tut der aufklärenden Wirkung beim Lesen aber keinen Abbruch. Denn jeder Leser dürfte unter den 444 irrtumsbehafteten Themen reichlich persönliche Fehleinschätzungen finden und somit eine Menge Wissenslücken stopfen. Der Unterhaltungswert des Buches entspricht seinem Informationsgehalt, es liest sich locker und mühelos, und da jedes der einzelnen Themen nur wenige Absätze umfasst, kann man das Buch jederzeit zur Seite legen und ebenso jederzeit weiterlesen. Kurz: 444 Neue Populäre Irrtümer bietet Unterhaltung und Information satt; man darf annehmen, dass auch dieser Band ein Bestseller wird. Bilder sucht man allerdings vergebens. (-> Leseprobe)

Das ist ganz anders bei Pere Romanillos Die Großen Irrtümer der Menschheit, das bei Theiss erschienen ist. Hier bilden ausgiebig erzählten Episoden den Schwerpunkt des Buches, Episoden, die sich mit wirklich gravierenden Fehleinschätzungen befasst. Statt über 400 enthält der üppig bebilderte Band nur ein paar Dutzend Themen, aber die haben es in sich und werden recht ausfürhlich behandelt. Die Erde eine Scheibe im Zentrum des Universums? Die Lobotomie eine sinnvolle Behandlungsmethode für Geisteskrankheiten und sonstige Gehirnoperationen? Die Ansiedlung von ein paar wilden Kaninchen in Australien ist harmlos? Und die Landnahme Amerikas durch Kolumbus, der allerdings glaubte, in Japan zu sein? Alles ziemlich fatale Irrtümmer mit mehr und weniger dramatischen Folgen. Der spanische Autor erzählt solche Episoden mit reichlich Wortwitz und Überzeugungskraft, und selbst wenn man dass Eine und Andere schon selber gewusst oder zumindest vermutet hat, kann man bei anderen Themen eine Menge Neues erfahren. Die Überschriften der Kapitel lesen sich amüsant (“Fehler: Trotz wiederholter Warnungen ohne Schutz in den Senat gehen”; “Fehler: Die Möglichkeit ausschlagen, die Beatles unter Vertrag zu nehmen, als sie noch unbekannt waren” ; “Fehler: Fast alle, die man machen kann” (Kapitel über die Titanic) und die vielen Bilder geben den Augen reichlich Futter. 250 Seiten unterhaltsame Informationen über durchaus ernste Themen wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, das Unglück der Challenger oder den Chemieunfall in Bhopal für angemessene 19,95 €. Auch als Hörbuch und E-Book erhältlich. (-> Blick ins Buch)

Die Autoren:

Norbert Golluch, geboren 1949, arbeitete zunächst als Grundschullehrer, bevor er sich nach einigen Jahren als Verlagslektor und Redakteur einer Satire-Zeitschrift als Autor selbstständig machte. Zu seinen zahlreichen Bestsellern gehört zum Beispiel “Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet” Norbert Golluch wohnt und arbeitet im Bergischen Land in der Nähe von Köln.

Pere Romanillos, geb. 1967 in Barcelona, ist Journalist, Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Zuletzt ist von ihm der Titel »Mama, wo war ich, bevor ich geboren wurde?« erschienen, der schwierige Kinderfragen zu beantworten sucht.

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