Wahn und Wirklichkeit. Warum nicht auch Schulbusse?

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LKW Fahrer, so die Kanzlerin aktuell, würden “überall gesucht“.  Spätestens seit dem 14. Juli in Nizza wissen wir, dass dem so ist. Zwar wurde der Fahrer des dort flanierenden Lasters anschließend nicht mehr gesucht, da die übereifrige französische Polizei ihn, gewiss zum Unwillen Jakob Augsteins und Renate Künasts, schnöde erschossen hat, aber das ist halt Frankreich. Der Franzose schlägt eben gerne mal über die Stränge, ansonsten würden auch die Attentäter von Paris sicher noch unter den Lebenden weilen. Hierzulande haben die Fahrer ähnlicher  Ausflüge weitaus bessere Chancen,  danach tatsächlich gesucht zu werden. Die deutsche Polizei wird sich kaum leisten wollen, erneut wegen unverhältnismäßigen Einsatzes von Schusswaffen abgewatscht zu werden, so wie zuletzt bei dem Fall des Zugpassagiers nahe Würzburg, ein erst siebzehn Jahre alter Teen aus gut betreuendem Haus. Mit dem hätte man nur mal ein freundliches Wort reden müssen. Also “nur” LKW Fahrer. Im letzten Jahr waren viele, ach so viele Migranten noch hoch qualifizierte Akademiker, nun wurden die Erwartungen seitens der Regierung leicht herunter geschraubt. Was nichts gegen die tatsächliche Qualifikation von Kemal, dem syrischen Augenarzt aus Tanger sagen muss, sind doch längst auch zahlreiche, deutsche Akademiker hierzulande im Transportwesen tätig, man denke nur an die vielen philosophierenden Taxifahrer oder pizzabringenden Sozialwissenschaftler. Warum also kein Mikrobiologe aus den Kriegsgebieten Tunesien, Pakistan, Ghana oder Algerien? So lange man ihnen nicht zumutet, Schweinehälften und Bier von A nach B zu bringen, dürfte das in Ordnung gehen. Aber Gasflaschen, Chemikalien, Treibstoffe, eben alles das, was auf den Straßen untewegs ist – warum nicht? Und warum eigentlich nur LKW? Warum nicht auch Schul- und Linienbusse? Fahrer werden eben immer gesucht. Den notwendigen Führerschein gibt es nach Aussage der Kanzlerin auf Pump. Natürlich müsste man ein wenig darauf achten, wem man diese Verantwortung überträgt; es sollte sich auf jeden Fall um Fachchauffeure handeln, die einen deutlichen Integrationswillen zeigen, so wie der oben erwähnte junge Mann aus dem Zug, der ja seit geraumer Zeit in einer freundlichen Betreuerfamilie lebte. Alles ist gut, alles läuft prächtig. Liest man bei Facebook gutmenschliche Beiträge wie “Du möchtest dein Bild von den ach so katastrophalen Zuständen in Deutschland, an denen natürlich Frau Merkel Schuld ist, hegen und pflegen. Aber es ist hier nichts katastrophal und dramatisch entsetzlich” als Antwort auf die Schilderung realer, alltäglicher Erlebnisse Anderer, dann muss man sich wohl eingestehen, dass die eigenen, tagtäglichen Wahrnehmungen nur Hirngespinste sind. Es fanden, so die gutmenschliche Stimme bei Facebook weiter, keine Fehleinschätzungen seitens Merkel statt, Deutschland sind durch die Zuwanderer keinerlei Nachteile entstanden, und “jedem Politiker, der an der Entscheidung im letzten Jahr beteiligt gewesen ist, wusste um das mögliche Risiko. Die Entscheidung, die Geflüchteten reinzulassen war deswegen trotzdem die einzig richtige.” Nein, liebe Leser, denken und quasseln Sie jetzt nicht einfach dazwischen! Fragen Sie auch nicht, in welchem Paralleluniversum jemand lebt, der so etwas ernsthaft von sich gibt. Und nein, es dürfte kaum etwas geben, das jemand “genommen hat”, um nach dessen Konsum so etwas zu verbreiten. Gut. Vielleicht im Delirium. Und wenn eine Mutter, deren Tochter im Bus angegrabscht wurde und  die in ihrer Schilderung erwähnt, dass es sich nach Aussage des Kindes um einen ” Mann mit arabischem Äußeren” gehandelt habe, dafür tüchtig niedergemacht wird, ja sogar offen sozial geächtet, indem man ihr den normalen menschlichen Umgang kündigt, dann lernt sie hoffentlich daraus, dass sie das alles nur aus fremdenfeindlichen Motiven heraus geschrieben hat. Wir wissen nicht, welches Äußere Männer haben, die wegen einer geplanten Lesung von Hamed Abdel-Samad, einem profilierten Islamkritiker und -kenner in Dortmund eventuell etwas unwillig werden könnten. Wären es Lappen von nördlich des Polarkreises? Wären es Altadventisten aus St. Kützelmütz? Man weiß es einfach nicht, aber das ist jetzt sowieso egal. Die Lesung wurde nun vom Veranstalter abgesagt. Allerdings nicht wegen Terrorgefahr, sondern aus “organisatorischen Gründen“. Das ist nicht schön, aber sicher gut begründet, vielleicht lassen sich im vorgesehenen Veranstaltungsraum die Fenster nicht öffnen, oder es gibt keine geschlechtsneutralen Toiletten. Irgendwas ist ja immer.


awb


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