Deutschland wird bunter und bunter.

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Ein Mädchen erzählt, sie sei vom Fahrer wegen ihres Kopftuchs in Berlin aus der Bahn “geworfen” worden. Was selbst, wenn sie nicht geworfen, sondern nur gewiesen worden wäre, natürlich nicht in Ordnung ginge. Die Knallpresse griff das Thema gewohnt dankbar auf und brachte dramatisch überschriebene Texte zum Thema. “Artikel” kann ich nicht sagen, zu einem Artikel gehört Recherche, und an der ließ man es komplett fehlen. Wozu auch? Für Meldungen mit islamfeindlichem Tenor vergisst man gerne jeden journalistischen Ethos und tauscht ihn bereitwillig gegen bestmenschlichen Pathos. Außer der Presse hyperventilierte dann auch gleich die Staatsgewalt in Form diverser Institutionen bis hin zum Staatsschutz.

Jedem, der bei Verstand ist, hätte von Anfang an klar sein müssen, dass die Geschichte faul ist. Würden Kopftuchträgerinnen in Berlin aus Bussen und Bahnen “geworfen”, wären in Berlin Busse und Bahnen – wie auch in anderen Städten – weitgehend leer. Schon alleine deshalb waren Zweifel an der Geschichte mehr als angebracht. Natürlich zu Recht; inzwischen weiß man, wie es wirklich war (der Fahrer hatte zwei Mädchen aufgefordert, in der Bahn nicht zu essen, und als eine darauf nicht reagierte, musste sie die Bahn verlassen).

Mich erinnert die Geschichte an das, was mir vor nun schon einigen Jahren eine Freundin erzählte, die an einer Uni studierte. Die sehr attraktive Frau wurde sehr oft angesprochen, vor allem an der Hochschule. Da sie in einer Beziehung war, zeigte sie freundlich, dass kein Interesse bestehe. Deutsche Kommilitonen nahmen das zur Kenntnis, und gut war’s. Dafür wurde sie dann von nichteuropäischen Kommilitonen immer wieder – direkt und auch hinten herum – als Rassistin denunziert. Sie wolle ja nur nicht, weil der Typ ein Schwarzer sei… Es war ekelhaft, was sie sich alles sagen lassen musste, und ich habe mehr als einmal mitbekommen, wie sehr sie darunter litt. Vor allem, weil es sich bei diesen Männern um (eigentlich) Gebildete handeln musste, immerhin studierten diese.

Was bleibt vom Fall der Berliner Schauer: Inzwischen ruderte die Knallpresse zurück; die Geschichte wird bei vielen Menschen dennoch hängen bleiben, denn Dementis erreichen nie die Aufmerksamkeit von vorher gegangenen Behauptungen. “Da war doch neulich die Sache in der Bahn, wo ein Nazifahrer so ein armes Kind etc etc.” In Bessermenschkreisen wird es heißen: Jetzt müssen die Kinder schon schwindeln, um darauf aufmerksam zu machen, wie sehr sie jeden Tag diskrimiert werden. Maas wird den Kampf gegen Rechts weiter forcieren und irgendein Statistiker wird sein Häkchen hinter “Ausländerfeindliche Gewalt” machen, wo es auch für immer bleiben wird. Und es bleibt ein Straßenbahnfahrer, der vielleicht den schlimmsten Tag seines Lebens erleben musste.

Sagte ich schon, dass Deutschland im Arsch ist?

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