
Hier blasen sie aus allen Kannen: "Eine schweißtreibende Mischung aus akustischem Jazz, tiefen Grooves und topaktuellen Elektroniks" urteilte die WAZ über den Erstling "Ruff". Nun legen Monsieur Dubois noch einen höheren Gang ein, wobei vor allem Posaunenstar Joseph Bowie (Defunkt) die Sahnehaube platziert. Mal funky, mal karibisch, und immer mit vollem Einsatz. Und das Fender Rhodes lässt einen an die 70er Jahre und George Clinton denken. "Hard Danceable Jazz" nennt die Band ihr Gericht, das sie dem deutschen Publikum nicht nur per Scheibe präsentiert, sondern in diesem Sommer auch Live - mit Joseph Bowie! - dem deutschen Publikum präsentiert.
Joseph Bowie (tb, voc), Bart Wirtz (sax), Dirk Beets (tp),
Maarten Meddens (fender), Kasper Kalf (b), Udo Demant
(perc), Rudi Sanders (dr)

Sabertooth besteht seit 1990, und ihr Vorbild sind die legendären Doppeltenorbands: Eddie Lockjaw Davis/Johnny Griffin oder Sonny Stitt/Gene Ammons, bekannt für ihre "Tenor Battles". Zusammen mit dem B 3 Sound und Ted Sirotas treibenden Grooves ist dies ein Dokument einer "Cookin´" Live Session im legendären Green Mill Club in Chicago, in dem schon Sonny Stitt, Von Freeman, Grant Green, Elvin Jones und Randy Brecker gespielt haben, um nur einige zu nennen.
Bis auf das Traditional "Mary Anne" und Neal Heftis Filmmusik zu "Ein verrücktes Paar" sind auf der CD nur Originals, und die haben sich Sabertooth natürlich passend auf den Leib geschrieben. Dieses Livealbum ist wirklich etwas für Freunde ausgiebiger Saxophonsoli und munterer Livemusik mit Club Atmosphäre, zudem die Stücke allesamt recht lang sind und den Musikern für ihre Improvisationen viel Raum lassen, gleich im ersten Stück, einem mehr als zwölfminütigen Blues. Und Heftis Klassiker "Odd Couple" bietet fast zehn Minuten zum Entwickeln feinster Soli für Bläser, Hammond B3 und Schlagzeug.
Sabertooth
Dr. Midnight Live At The Green Mill
Cameron Piffner (ts, ss, l,), Pat Mallinger
(ts,as,l), Pete Benson (B3), Ted Sitora (dr)

MEISTERWERKE FÜR SPANISCHE GITARRE
Knapp 80 Minuten feinste spanische Gitarrenmusik bietet diese im letzten Spätsommer aufgenommene CD. Maruri ist ein Könner auf seinem Instrument mit bisher 23 Plattenveröffentlichungen, er hat bereits auf fünf Kontinenten gespielt, darunter in China, Kanada, Mexiko, Kuweit, Australien und Neu Seeland. Seine Website ist leider eine Katastrophe, ein solcher Musiker muss sich meiner Ansicht nach besser und professioneller präsentieren.
Das Album ist bekannt nach Tarregas 'Recuerdos de la Alhambra', das zu den berühmtesten Werken der Gitarrenliteratur gehört. Diese Solo-CD mit Agustin Maruri vereint die schönsten Gitarrenstücke, darunter Kompositionen von de Falla, Villa-Lobos und Tisserand und ist ein Fest für die Liebhaber der spanischen Gitarre. Aufnahme: September 2007, Santa Eufemia de Cozolla, Palencia (Spanien) Gesamtspielzeit: 79:03

Natürlich denkt man bei den ersten Tönen gleich an Coltrane. Es ist wirklich verblüffend, wie die Italienerin Carla Marciano es versteht, auf ihren Saxophonen den Tenorgiganten aufleben zu lassen, unterstützt insbesondere durch den Pianisten Alessandro la Corte, der, na wie wohl? Cluster wie McCoy Tyner zu spielen weiß.
Carlo Marciano tut etwas kluges: sie spielt auf Change of Mood nur eigene Kompositionen, wodurch sie vermeidet, dass der Hörer einen direkten Vergleich mit Coltrane zieht. Den kann jeder (oder wie in ihrem Fall jede) nur verlieren. In ihren eigenen Kompositionen auf dem Album erinnert sie an Coltrane, aber sie imitiert ihn nicht, und das genau ist der richtige Weg. Zudem ihre Kompositionen durchaus das Zeug zum Klassiker haben.
Warum spielt überhaupt jemand wie Coltrane? Warum denn nicht? Jeder große Saxophonist steht in einer Tradition, seien es Lester Young, Ben Webster, Coleman Hawkins, Sonny Stitt oder Charlie Parker, und natürlich auch Coltrane, dessen Genie erst in seiner späten Zeit ab etwa 1960 erwachte. Dass Carla Marciano sich Trane als Stilikone erwählt hat, zeigt, dass sie um ihre Fähigkeiten weiß.
Die acht Stücke des Albums, allesamt Kompositionen der Saxophonistin, bieten duch ihre Länge viel Raum, sowohl für sie, als auch für Alessandro la Corte. Mit dem modalen Blues "Hypnotic Touch" im 6/4 Takt beginnt das Album, das den Hörer immer wieder erstaunen lässt, was aus der John Coltrane Tradition heraus auch heute, mehr als 40 Jahre nach seinem Tod, für Musik gemacht werden kann. Das zweite Stück, "Change of Mood", tut genau das, was der Titel verheißt, es ändert sich der Takt und es ändert sich auch die Intonation, hier klingt Marciano in ihrem ersten Solo mehr wie Wayne Shorter auf dem Sopransax, dafür dann im zweiten wie Coltrane.
Mein Favorit auf dieser durchgehend famosen Platte ist ohne Zweifel Unaware, ein Stück, dessen Tempi von 6/8 zu 4/4 und zurück changieren und das klar an "My Favourite Things" erinnert. Hier zeigt das Quartett, was es zu spielen im Stande ist, zum einen ist da La Corte zu nennen, der McCoy Tyner so nah wie nur möglich kommt, zum anderen natürlich Carla Marciano, die auf großartige Weise das Hymnische in Coltranes Musik zitiert. Der Höhepunkt des Stückes ist eine lange Passage, in der nur Saxophon und Schlagzeug spielen, um dann am Ende Bass und Piano wieder mitaufzunehmen.
Change of Mood ist ein wirklich grandioses Album, und man kann der Musikerin und ihrem 4tett nur wünschen, dass sie auch international eine feste Größe in der Jazzwelt werden.
Carla Marciano (as, ss), Alessandro La Corte (p), Aldo Vigorito (b), Gaetano Fasano (dr)