
Seit ich aufgehört habe zu rauchen,
bin ich nicht mehr ich selbst.
Woody Allen
Ein Gourmetrestaurant im Süddeutschen, Ende September. Ein gemeinsames Schmausen steht an, Verleger, Autoren, Journalisten, Zeichner, Musikanten - der Chef hat seine Freunde geladen. Nachdem er jeden der Anwesenden den anderen vorgestellt hat und das versammelte Volk eben beginnt, die Servietten zu entfalten macht er noch eine Schlussbemerkung: "Es sind hier heute Abend so viele kreative Köpfe anwesend, dass ich aus diesem Anlass das eigentlich herrschende Rauchverbot aufhebe." Zustimmendes Gemurmel, wo sich doch ansonsten heutzutage nur noch ein einziger unartikulierter Schrei der Massen äußert, wenns irgendwo qualmt - es ist chic, gegen das Rauchen zu sein, und das kleinste Würstchen erhebt heute lauthals seine Stimme, wenn im Biergarten drei Tische weiter jemand einen Zigarillo zückt.
"Männer, die sich das Rauchen abgewöhnt haben sind mir unheimlich" sagte Jeanne Moreau, und die sollte es wissen. Und damit es von denen nicht noch mehr gibt hat Klaus Bittermann in seiner Edition Tiamat ein Buch herasgegeben mit dem wunderbaren provokanten Titel SMOKE SMOKE SMOKE THAT CIGARETTE - EINE VERHERRLICHUNG DES RAUCHENS. Der Hüttler, bekanntlich bekennender Nichtraucher, hätte dieses Buch gewiss rasch verbrennen lassen, denn in ihm huldigen 46 hochkompetente Autoren und Autorinnen, unter ihnen der Mitherausgeber Franz Dobler, Wiglaf Droste, Fritz Eckenga, Kinky Friedman und Harry Rowohlt, um nur einige zu nennen, dem Tabakgenuss, so wie es auch bereits jahrhundertelang zuvor geschah, seitdem Columbus den Tabak aus der Neuen Welt mit nach Spanien brachte. Eben so lang ist auch die Geschichte des Kampfes gegen den Tabak, denn der war keineswegs überall wohlgelitten. Die heutige Antiraucherbewegung ist nichts neues, das Fetischwort ist Passivrauchen, und damit erstickt man jeden Tabakqualm im Keim. Oder versucht es zumindest.
Hier sollen an dieser Stelle keine Argumente ausgetauscht werden, um Sachlichkeit geht es auch gar nicht im Streit zwischen Für und Wider. Die Antiraucherbewegten argumentieren mit den Ergebnissen einer Studie zum Thema Passivrauchen, ohne sie und die Merkwürdigkeiten ihres Entstehens überhaupt zu kennen. Wer sich ernsthaft um die Gefahren des Passivrauchens Sorgen macht findet vielleicht unter dem Link ein paar bedenkenswerte Denkanstöße.
Bettina Gaus schrieb vor zwei Jahren in der TAZ: "Der Eindruck verstärkt sich, dass die - gelegentlich hysterische - Abwehrhaltung gegenüber dem Rauchen in westlichen Gesellschaften eine Ersatzfunktion einnimmt. Wenigstens Zigaretten ermöglichen offenbar noch eine Verständigung auf ein gemeinsames Wertesystem." Und weiter: "Beim Thema Rauchen wären Kompromisse kontraproduktiv - das Gemeinschaftsgefühl wäre dahin. Dabei ließen sie sich leicht finden: In Raucherkneipen dürften halt nur rauchende Kellner arbeiten, in einer Raucher-Airline - warum gibt es eigentlich keine? - nur rauchende Stewardessen. Dafür müsste der Wunsch nach Kompromissen allerdings größer sein als der nach Abgrenzung. Das ist offenbar nicht der Fall."
SMOKE SMOKE SMOKE THAT CIGARETTE - EINE VERHERRLICHUNG DES RAUCHENS ist eine Sammlung unterschiedlichster Texte zum Thema Rauchen. Man findet Satiren wie Polemiken, es gibt Gedichte und Reportagen und Essays, und auch Fotos, Karikaturen und Zeichnungen fehlen nicht. Mir ist kein Buch bekannt, das auf derart unterschiedliche und vor allem unterhaltsame Weise den Kult vom Rauchen feiert, Klaus Bittermann und Franz Dobler als Herausgeber haben ganze Arbeit geleistet. In diesem Buch werden alle erlaubten und unerlaubten Register gezogen, um für die Freiheit des Rauchens einzutreten, und drum sei es einem jeden Raucher wärmstens an die Bronchien gelegt.
awb
-> Leseprobe Wiglaf Droste: Die rauchende Frau

Klaus Bittermann und Franz Dobler präsentieren Texte aus dem Buch Smoke Smoke Smoke that Cigarette - Eine Verherrlichung des Rauchens
