Schweizer Messer und doofe Deutsche

Vor kurzem stellte das Herrenzimmer einen Kultgegenstand vor - das Schweizer Messer, unverzichtbares Utensil für Urlauber, Abenteurer und Agenten. Ein wahrer Virtuose dieses Werkzeugs war ein gewisser Angus MacGyver, Vokuhilaträger und Experte für improvisierte Torpedos. Zwischen 1985 und 1992 entstanden für das US Fernsehen in sieben Staffeln 139 Episoden, die weltweit mit großem Erfolg ausgestrahlt wurden. MacGyver ist ein Ex-Agent, der in seinem fortgesetzten Kampf gegen das Böse nicht mit Gewalt und Waffen, sondern seinen weitreichenden Kenntnissen in Physik, Chemie und Elektrotechnik arbeitet. Neben dem Schweizer Messer ist eine Rolle Klebeband sein wichtigstes Werkzeug. Das klingt herbeigesponnen, war es aber nicht, alle seine improvisierten Hilfmittel haben durchaus eine nachvollziehbare Wirkung.

Im Auftrag einer Forschungsorganisation, die zugleich ein privater Sicherheitsdienst ist, kommt MacGyver durch die ganze Welt, um gefährliche Situationen zu meistern. Somit bietet die Serie immer wieder wechselnde Kulissen für die jeweiligen Handlungen der Folgen, eine große Fangemeinde ist ihr bis heute sicher. Der Schauspieler Richard Dean Anderson wurde durch die Darstellung des MacGyver weltweit bekannt, seine Freundin Penny Parker wird gespielt von Teri Hatcher, die dem heutigen Publikum aus der Serie "Desperate Housewives" sowie als Bond-Girl aus "Der Morgen stirbt nie" bekannt ist.

Für Fans von TV Serien im Allgemeinen und von MacGyver im Speziellen ist die soeben erschienene DVD Kassette mit der kompletten 4. Staffel der Serie eine Bereicherung ihres Heimkinoprogramms. 19 Episoden bieten ca. 878 Minuten spannende Unterhaltung, und natürlich ist der Höhepunkt jeder Folge die Bastelarbeit MacGyvers, mit deren Hilfe er wieder einmal das Böse in der Welt bezwingt. Und den Zuschauer durchaus immer wieder verblüfft.

 

 

Ein Käfig voller Helden - die 4. Staffel - ist ebenfalls in diesem Monat erschienen. Wieder einmal führen Colonel Robert Hogan und seine international gemischte Truppe von Kriegsgefangenen die Deutschen nach Strich und Faden an der Nase herum. Das Stalag 13 wird durchweg von Volltrotteln gemanaged, allen voran der Lagerleiter Oberst Klink, der an Dämlichkeit höchstens noch von seinem Feldwebel Schultz übertroffen wird, wobei Schultz' Beschränkheit im Gegensatz zu der von Klink eher in Gutmütigkeit abdriftet und sich somit bei den Gefangenen einer gewissen Sympathie erfreut ("Schultz, wenn der Krieg vorbei ist werden Sie mein Kutscher" - Col. Hogan). Nun waren die deutschen Offiziere und Soldaten leider nicht ganz so dämlich, wie man es der Serie entnehmen könnte, der 2. Weltkrieg wäre nach ein paar Tagen zu Ende gewesen.

Hogan's Heroes, so der Originaltitel der Serie, wurde von 1965–1971 für das US Fernsehen produziert, schließlich wurde sie eingestellt, weil der Hauptdarsteller Bob Crane, der den Hogan spielte, überzogene Gagenforderungen stellte und zugleich durch Alkoholismus immer unzuverlässiger wurde. Crane fand ein übles Ende, er wurde 1978 mit einem Kamerastativ erschlagen, der Täter konnte nie überführt werden. Die Darsteller der deutschen Offiziere sowie von Feldwebel Schulz waren allesamt deutsch- bzw. österreichstämmig, sie hatten Deutschland während der Naziherrschaft verlassen und konnten nun als Darsteller eine kleine Rache nehmen. Mit großem Vergnügen, wie man zum Beispiel Werner Klemperer ansehen kann, der den Oberst Klink spielte. Auch der Wiener John Banner stellt den trotteligen Feldwebel Schultz mit wahrer Inbrunst dar, was seiner Figur durchaus auch freundliche Züge verleiht. Und als (unfreiwilliger) Gehilfe bei Hogans Sabotageplänen ist er sehr von Nutzen.

4 DVDs bieten in 640 Minuten Spielzeit Komik und Klamauk, und vor allem das Spiel von Klemperer und Schultz macht die Serie auch für anspruchsvollere Zuschauer zu einem wahren Vergnügen. Manches ist unfreiwillig komisch, was den Witz der Serie noch unterstützt, so sehen alle in der Serie auftretenden Frauen eher wie Pin-Ups der 1960er Jahre denn wie Frauen Nazideutschlands aus. Auch die Kulissen, vor allem wenn Szenen in der dem Lager nahe gelegenen Stadt Hammelburg spielen, haben etwas sehr skurriles an sich, ebenso wie das in kleinen Haufen überall herumliegende Mehl, das Schnee simulieren soll. Special effects im Stil der 1960er Jahre, die billig waren und billig aussehen - für Fans der Serie ein wichtiger Teil ihres Charmes, so wie auch die liebevolle Synchronisation für alle, die der Serie in der Originalfassung nicht folgen können oder wollen.

Technisch sind die 26 Folgen der 4. Staffel von bester Qualität, das Bild wurde remastered und ist sehr klar und scharf. Der Ton ist Mono.

cvk

Trailer bei Amazon für die 3. Staffel

Das Herrenzimmer über die 3. Staffel