
Vom 28. September bis zum 3. Oktober 2009 fanden die 6. JazzTage Hamburg statt. Wie immer wurden sie veranstaltet vom Jazzbüro Hamburg und dem Jazzhaus e.V. - in Kooperation mit der NDR-Jazzredaktion, den Kulturdialogen Altona und Musik i Syde. Fotograf Thomas Schloemann hat die Auftritte mit seiner Kamera dokumentiert, und das Herrenzimmer freut sich, eine kleine Auswahl seiner Bilder zeigen zu können.





Am Sonnabend gingen in der ausverkauften Fabrik die 6. Hamburger Jazztage mit einem musikalischen Feuerwerk zu Ende. Die NDR Bigband rockte und funkte gemeinsam mit Mr. Redhorn Nils Landgren, so dass es niemanden mehr auf den Stühlen hielt.
Insgesamt 16 Konzerte an sieben verschiedenen Orten haben an den vergangenen sechs Tagen im Rahmen der Hamburger Jazztage stattgefunden. Neben den Konzerten in der Fabrik fanden auch Konzerte im Hafenbahnhof, in der Alfred Schnittke Akademie, der St. Petri Kirche, dem Metropolis, dem Birdland und dem Stellwerk statt. Die Veranstalter, das Jazzbüro Hamburg e.V., freuen sich über eine erfolgreiche Woche. "Der Entschluss in diesem Jahr mehr Spielstätten in das Programm einzubeziehen, war auf jeden Fall eine richtige Entscheidung", so Gabriele Benedix, Geschäftsführerin des Jazzbüros.
Hamburger Musiker wie Nils Wülker, das Ensemble Du Verre oder das Felice Sound Orchestra teilten sich die Bühnen mit internationalen Stars wie Mike Mainieri, Trilok Gurtu und Nils Landgren.
Eine Herzensangelegenheit war der Auftakt für die Zusammenarbeit des Jazzbüros mit MUSIK I SYD aus Schweden. So sind in diesem Jahr das Jan Lundgren Trio und das Jacob Karlzon Trio aus Schweden zu Gast auf den Hamburger Jazztagen gewesen. Im Gegenzug wird in der kommenden Woche Ulita Knaus, die im Frühjahr 2009 mit dem Hamburger Jazzpreis ausgezeichnet wurde, mit ihrer Band zum Jazz Festival nach Kristiansstadt / Schweden reisen und dort Hamburg vertreten. "Wir sind sehr glücklich, dass dieser Austausch zu Stande gekommen ist. Der erste Schritt ist getan und wir freuen uns schon auf viele weitere Konzert von Hamburgern in Schweden und umgekehrt", so Gabriele Benedix. Ulita Knaus wird auch den Auftakt für den Austausch mit Stockholm in Zusammenarbeit mit Nils Landgren machen.

Newropean Quartet
Ralph Reichert (sax)
Danilo Memoli (p)
Stefano Senni (b)
Joris Dudli (dr)
www.myspace.com/newropeanquartet
Schengen. Bologna-Prozeß. Lissabon-Vertrag. Schlagworte und schöne Ideen. Doch es sind Jazzmusiker, die Ernst machen mit der Zusammenarbeit über alle Grenzen hinweg. Immer unterwegs, fanden der Saxofonist Ralph Reichert und Pianist Danilo Memoli vor drei Jahren zusammen und gründeten ein gemeinsames Quartett. Der Italiener Memoli berief seinen Landsmann Stefano Senni als Bassisten, der Hamburger Reichert erinnerte sich an den Schlagzeuger Joris Dudli, der gebürtiger Schweizer ist, in Wien lebt und einen amerikanischen Pass besitzt, weil er in New York mit Kollegen wie Vincent Herring und Joe Lovano spielt. Nur im Vatikan, schreibt das Newropean Quartet im Internet, sind sie nicht zuhause.
Nils Landgren & NDR Bigband
"It's Got To Be Funky"
Niemand bringt mehr Funk und Jazz auf die Bühne als Nils Landgren, der Mann mit der roten Posaune. Kein Wunder also, dass Vladislav Sendecki, Pianist der NDR Bigband, die Idee hatte, Herbie Hancocks Funk mit der NDR Bigband und Nils Landgren zusammenzubringen: "Bei Miles Davis verlängerte Hancock die Jazztradition bis ans Ende des 20. Jahrhunderts, aber ab 1968 brachte er den Funk mit abstrakten Free Jazz-Elementen und Elektronik zusammen". Die Arrangements schrieb exklusiv Tom Scott, der einst von Hancock zum eigenen 'L.A. Express' inspiriert wurde. Nils Landgren lacht, mit den Worten von James Brown: "It's got to be funky!"
www.ndr.de/bigband
www.nilslandgren.com
Nils Wülker
Nils Wülker (tp)
Jan von Klewitz (sax)
Lars Duppler (p)
Dietmar Fuhr (b)
Jens Dohle (dr)
www.nilswuelker.com
Eigentlich versteht sich der Trompeter Nils Wülker als Singer/Songwriter. Die "Welt" schwärmt von seinen "nonverbalen Top-Hits mit Tiefenwirkung". Mit seiner druckvollen Band - eigentlich eine All-Star-Truppe des deutschen Jazz - liefert er Energie für Kopf, Herz und Bauch. "Es reicht mir eben nicht, ein guter Interpret zu sein. Ich will mich auch in meinen Kompositionen ausdrücken" sagt der "junge deutsche Jazzstar" (Der SPIEGEL), der aus Berlin nach Hamburg kam. Eigentlich also ein Heimspiel.
Robbie Smith & Band
"Groove-Jazz"
Robbie Smith (dr, voc, perc), Mikel Allen (b, voc), Mäddi Tation (perc),
Kai Gülzow (g), Mischa Schumann (p), Claas Überschär (tp, flh), Stefan Maus (sax), Björn Berger (sax)
www.robbie-smith.de
Aus Trinidad stammt nicht nur die Steeldrum, der Calypso und der Soca, auf der Karibikinsel wurzelt auch der Stammbaum von Robbie Smith. Der ist schon seit Jahrzehnten ein echter Hamburger und aus der hiesigen Musikszene genauso wenig wegzudenken wie seine Beiträge zu Aufnahmen mit Orange Blue, Patrick Nuo, Massive Töne, Deichkind, Heinz Rudolf Kunze, Echt, Stefan Gwildis und Roger Cicero. Natürlich leitet Smith als Sänger und Percussionist auch eine eigene Band, deren Grooves im Soul'n'Funk der 70s ihren Anfang nahmen und seitdem nicht zu stoppen sind.
Togetherness
Justin Carroll (p)
Sean Carpio (dr)
Michael Buckley (sax)
Dave Redmond (b)
Jazz aus Irland und ganz offiziell: "Togetherness" repräsentierte sein Land beim europäischen 12-Points-Jazzfestival 2008. Die Dubliner Band um Pianist Justin Carroll hat Groove, Harmonie und Melodie auf hohem Niveau. Michael Buckley ist zudem einer der führenden irischen Saxophonisten, der ebenso mit Dave Liebman, John Abercrombie, Kurt Rosenwinkel, Lee Konitz oder Kenny Wheeler tourte. Und die südindischen Beats hat Drummer Carpio aus Bangalore importiert.
Trilok Gurtu
"Massical"
Trilok Gurtu (dr, perc and voice) - India
Roland Cabezas (g) - Germmany/Spain
Carlo Cantini (v, mel.) - Italy
Phil Drummy (sax, fl, didg.) - Australia
Johann Berby (b) - Le Reunion
www.trilokgurtu.net
Trilok Gurtu ist ein Phänomen. Mit John McLaughlin, Oregon, Joe Zawinul, Jan Garbarek, Pat Metheny, Sting etc. spielt der gebürtige Inder in der Liga der Weltstars - und lebt im Hinterland Hamburgs. Von hier aus startet er zu Tourneen, Aufnahmen und Konzerten in den USA, in Frankreich, Spanien, Indien… "Ins Radio zu kommen, war nie mein Ziel" erklärt Gurtu den globalen Erfolg seiner Band zwischen Jazz und Rock, Avantgarde und Weltmusik. "Aber wahre Schönheit in der Musik entsteht da, wo man es schafft, Kompliziertes einfach klingen zu lassen."
Bantzer & Coburger
Claus Bantzer (orgel)
Gabriel Coburger (sax)
"Verweile doch, Du bist so schön!" heißt es in Goethes Faust. Doch die einmaligen Gelegenheiten lassen sich nicht festhalten. Als Gabriel Coburger zum ersten Mal den ehemaligen Kirchenmusikdirektor Claus Bantzer von St. Johannis am Turmweg traf, war alles offen. Da hatte Bantzer schon bereits in Konzerten und Aufnahmen mit Leszek Zadlo, Nils Landgren oder auch Michael Naura den Weg zum Jazz gesucht. Gängige Vorbilder für freie Improvisations-Duette von Saxofon und Kirchenorgel sind allerdings immer noch rar. In der besonderen Atmosphäre der St. Petri Kirche finden die beiden Meister einen würdigen Rahmen.
www.clausbantzer.de / www.gabrielcoburger.de
Gabriel Coburger &
Matthias Schubert
Gabriel Coburger (sax)
Matthias Schubert (sax) Berlin
Enno Dugnus (p)
Jan Roder (bass) Berlin
Björn Lücker (dr)
www.gabrielcoburger.de
www.jazzraum.de
Hier trifft zusammen, was zusammen gehört. Als Gabriel Coburger noch ein junger Jazzfan war, ließ er sich von Matthias Schubert anstecken: Wie der sich bei Vorbildern wie Sonny Rollins und John Coltrane bediente und deren Ausdrucksformen bis zum Überschäumen steigerte - das schlug für den acht Jahre Jüngeren eine Bresche in die Vorstellung von einer gesitteten Jazztradition. Heute zählt Gabriel Coburger selbst zu den markanten Stimmen auf der deutschen Jazzszene - und lädt Matthias Schubert ein, in seiner Reihe "… und Freunde von außerhalb" den Jazzraum im Hafenbahnhof zum kochen zu bringen. Wer das nicht miterlebt, den bestraft die Jazzgeschichte.
Dan Gottshall's
"Artful Earfull"
Dan Gottshall (tb)
Sandra Hempel (g)
Buggy Braune (p)
Oliver Karstens (b)
Konrad Ullrich (dr)
"Eine sehr gelungene, intelligente Mischung moderner Grooves des flexiblen Posaunisten aus Baltimore", befand die Zeitschrift JazzThing über einen Auftritt von Dan Gottshall. Der liebt Vielfalt wie Überraschungen: "One of the things I like about jazz, kid, is: I don't know what's going to happen next. - Do you?" Dieses Zitat des Jazzpioniers Bix Beiderbecke hat sich Gottshall ins Stammbuch geschrieben. Beim Festival wird es der Lead-Posaunist der NDR Bigband mit seinem hochkarätigen Quintett in zeitgemäße Töne übersetzen.
Ensemble Du Verre
Claas Ueberschär (tp), Volker Meitz (fender, keys, samples), Lars Hansen (b), Sönke Düwer (dr)
www.ensemble-du-verre.com
www.batterie-records.com
www.myspace.com/ensembleduverre
"Nu & Extreme" - so hieß unlängst das positive Urteil der versammelten deutschen Schallplattenkritik zum "Ensemble du Verre". Kein Wunder: die Band um den Schlagzeuger Sönke Düwer gießt Schellack-Samples und Ambient-Beats zusammen, hebt Spoken Word Poetry (von Ursula Rucker) unter die luftig geschlagene Masse und serviert das Ganze frisch. Live im Konzert rückt Düwer mit seinen Kollegen näher an die akustischen Jazzwurzeln heran. "Ich bin jetzt vierzig", sagt er dazu ohne Wehmut. Man muss nicht zum Nachwuchs gehören, um zu überraschen.
Felice Sound Orchestra
Ralf Reichert (sax), Sebastian Hoffmann (tb), Benny Brown (tp), Martin Hornung (p, org), Marcel Kolvenbach (dr), Sönke Rust (g), Stephan Krause (perc),
Felix Behrendt (b)
Italowestern im 21. Jahrhundert
In den Siebzigern nannte man sie noch abschätzig "Spaghettiwestern", die Filme aus Italien, die einen ironischen Blick auf die Heldengeschichten des amerikanischen Westens warfen. Die billigen Drehorte wurden von fantastischer Musik mehr als wettgemacht. Heute dreht Felix Behrendt den legendären Sound von Morricone und Mancini zusammen mit Matthew Herbert und Fatboy Slim durch den Wolf. Einen Titel der filmträchtigen Stücke hat sich bereits das Satireprogramm EXTRA3 geschnappt.
Jacob Karlzon Trio
Jakob Karlzon (p)
Hans Andersson (b)
Jonas Holgersson (dr)
www.jacobkarlzon.com
In Deutschland kennt man Jacob Karlzon bisher aus der Band der Sängerin Viktoria Tolstoy. Dort spielt und komponiert der Schwede gerne, doch es ist sein eigenes Trio, das Vergleiche mit McCoy Tyner und Keith Jarrett provoziert. Ob Karlzon eigene Melodien vor unseren Ohren (und denen seiner Kollegen) entfaltet, Nu Metal von "KoRn" durch das Klavier treibt oder mit Maurice Ravel in Romantik schwelgt: dass Jacob Karlzon Trio ist unser zweiter Austausch mit Schweden.
Jan Lundgren Trio
"European Standards"
Jan Lundgren (p, fender Rhodes)
Mattias Svensson (b)
Zoltan Csörsz Jr. (dr, perc)
www.janlundgren.com
Jan Lundgren liebt die überraschende Wende. Als Teen spielte er Tennis - mit bester Aussicht auf eine Profikarriere. Doch dann rief die Musik. Nach Jahren klassischer Klavierstunden lernte er den Jazz kennen. Und tauchte in die Tradition von Oscar Peterson bis Bill Evans ein. Nach den ersten Platten kam der nächste Schwenk: nicht mehr das Great American Songbook - Europäische Standards von Kurt Weill bis Kraftwerk stehen jetzt auf dem Programm. Sein eigener Beitrag zum Jazzrepertoire. Uns unser Start für den Schwedenaustausch.
Johannes Bahlmann &
Hans Schüttler
Piano-Solo
www.johannes-bahlmann.de
www.hansschuettler.de
Piano solo. Was so einfach scheint, spielen ohne Rücksicht nehmen zu müssen, bezeichnet Keith Jarrett als das schwierigste Unterfangen überhaupt. Zwei außergewöhnliche Hamburger Musiker nehmen die Herausforderung an und präsentieren in der Alfred Schnittke Akademie jeweils ein Konzert ohne Netz und Doppelten Boden. Johannes Bahlmann lernte den Jazz in den USA kennen und hat sich seit 1990 einen Namen als Improvisator zwischen Bach, Satie und Bartok gemacht. Hans Schüttler komponiert gern im Bereich der Neuen Musik und Elektronik. Was ihn nicht daran hindert, vom Klavier aus zum Wirbelwind zu werden, die Klangmöglichkeiten des Raumes zu erkunden. Er verspricht: "Jedes Konzert ist einzigartig".
Mike Mainieri & Marnix Busstra Trio
Mike Mainieri (vibes)
Marnix Busstra (g)
Eric van der Westen (b)
Pieter Bast (dr)
http://www.nycrecords.com/mikemainieri.html
Was für eine schillernde Karriere: 1955 debutierte Mike Mainieri in der
Band von Buddy Rich - da war er gerade mal 17! Wenig später stieg er als
Sideman bei Dizzy Gillespie und Billie Holiday ein. Ende der 1960er experimentierte er mit Rock-Jazz an der Seite von Frank Zappa und Jimi Hendrix.
Der Ruhm kam in den nächsten Jahrzehnten mit Michael Brecker und den
Fusion-Bands "Steps" und "Steps Ahead". In einer Deutschlandpremiere trifft
Mainieri nun auf das Trio des Gitarristen Marnix Busstra, von Kritikern als
der "Pat Metheny aus Holland" gefeiert.