
Früher, in der guten alten Zeit der TV Serien, waren die Guten gut und nichts als gut. Makellos wie Detective Lieutenant Mike Stone und Inspector Steve Keller in Die Straßen von San Francisco, die zu allen Frauen Ma'm sagten und den Hut vom Kopf zogen, ehe sie alten Damen über die Straße halfen. Dann bekamen die Guten ein paar kleine Makel ins Drehbuch geschrieben, sie waren geschieden oder hatten sonstige Probleme mit Frauen, oder sie tranken schonmal gerne ein Glas zuviel, aber natürlich nie im Dienst sondern erst Abends zu Hause, auf der Couch, wenn sie von der heilen Welt von einst träumten und sich wünschten, sie wären ein paar Jahre früher Serienhelden geworden.
Heute haben diese Leute Macken wie aus einem Lexikon der hundert übelsten Psychokrankheiten, sie sind zynische, neurotische Sozialphobiker und Kotzbrocken, und dass sie dennoch zu den Guten gezählt werden liegt nur daran, dass andere - die Bösen - eben noch kotzbrockiger sind und daran, dass die Zuschauer von heute einen Helden nicht mehr an der Schärfe seiner Hosenbügelfalte bemessen sondern an seinem Unterhaltungswert. Und der ist bei Psychowracks wie Dr. House oder Monk nun einmal deutlich höher.
Eine neue Dimension der Gestörtheit von Serienhelden wurde mit der Serie Dexter erreicht, die seit 2006 in den USA ausgestrahlt wird, und deren erste Staffel gibt es nun seit heute als DVD Edition auf deutsch. Dexter ist zugleich Forensiker des Miami Police Departments und psychopathischer Serienmörder. Wahrlich eine interessante Mischung, die viel Raum für rabenschwarzen Humor und Spannung bietet. Dies sahen auch die Kritiker so, Dexter wurde mit Fernsehpreisnominierungen und -auszeichnungen geradezu überhäuft, darunter waren der Golden Globe, die Emmy und die Saturn Awards.
Dexter, ein Psychwrack seit Kindheit, kennt keine Emotionen, dafür aber den nicht zu bezwingenden Drang zu morden. Immerhin: seine Opfer sind Böse, denen anders offenbar nicht beizukommen ist. Und so ist Dexter denn doch wieder irgendwie der Gute.
Wer Blut sehen kann, schwarzen Humor versteht, political correctness für eine weltweite Plage hält und über 18 ist kann nun also die erste Staffel von Dexter auf DVD genießen. Schon der englische Essayist Thomas de Quincey schrieb im 19. Jahrhundert über den Mord als schöne Kunst betrachtet, Dexter praktiziert ihn, als Böser im Dienste des Guten. Und sein hoher Unterhaltungswert macht ihn dem Zuschauer geradewegs sympathisch, auch wenn man das natürlich nicht zugeben sollte. Sie wissen schon: P.C.
awb